Ein Killer mit Herz

Der letzte Teil der Kult-Trilogie um den Mörder mit Gedächtnisschwund startet am 13. September. Das Interview mit Hollywoods Vorzeige-Charismatiker.
In diesem Kinosommer wimmelte es von dritten Teilen, und die meisten erreichten auch vom Niveau maximal dritten Rang. Die Ausnahme ist Das Bourne Ultimatum, der voraussichtlich letzte Teil des bizarren Epos um den paranoiden, seiner Erinnerung beraubten CIA-Killer Jason Bourne. Die Serie nach den massenhaft verkauften Thrillern von Robert Ludlum ist eine der erfolgreichsten der jüngeren Filmgeschichte: kommerziell mit bisher 850 Millionen Dollar Einspielergebnis und 20 Millionen im Umlauf befindlichen DVDs. Das Bourne Ultimatum lukrierte am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar: der beste August-Start der Geschichte.
Damons Coup. Dass der Streifen auch künstlerisch etwas zu bieten hat, ist vor allem das Werk des Sympathieträgers Matt Damon, der als topausgebildeter, amnesischer Mörder Mitgefühl weckt. Wer ist er, was ist mit ihm geschehen, wer will ihn töten und weshalb? Um das herauszufinden, überschreitet Jason Bourne alle Grenzen aktionistischer Selbstqual. Der Clou dabei ist Damons habituelle Durchschnittlichkeit in einem von titanenhaften Charakterköpfen Stallones Rambo, Eastwoods Dirty Harry bestimmten Genre. Mit dieser Gestalt kann man fühlen wie einst mit Harrison Ford, als Indiana Jones einer der größten Publikumslieblinge aller Zeiten. Und so haben The Bourne Identity (2002) und The Bourne Supremacy (2004) Damon den Weg in den 20-Millionen-Dollar-Club gebahnt pro Film, versteht sich. Und diesen Filmen dankt er auch die Bekanntheit, um Hochqualitätsware wie Syriana, The Departed und The Good Shepherd mit seinem Namen zu tragen. Die Bourne-Filme gaben mir die kreative Freiheit, anspruchsvolle Filme zu machen, auf die ich sehr stolz bin, sagt er.
Als er mit 29 ins Geschäft kam, lernte er weitblickend Boxen, Schießen und Karate. Heute, mit 36, spüre er bei extremen Stunts schon den Kräfteverschleiß, sagt er. Dafür hat er einen Drehbuch-Oscar (Good Will Hunting, verfasst mit seinem Freund Ben Affleck) und einen guten Namen als grüner Aktivist. Ich bin heute viel mehr an Politik interessiert als beim ersten Film, sagt er. Es ist eine Reaktion auf die Dringlichkeit, mit der wir eine Kursänderung vornehmen müssen. Ich mache mir Sorgen, wos hingeht mit der Welt. Ich möchte meine Kinder in Frieden großziehen und wünsche ihnen ein schönes Leben.
Die beiden bis dato letzten Bournes verantwortet der Engländer Paul Greengrass, eigentlich ein Mann aus dem halb dokumentarischen Genre, der mit Bloody Sunday über die Ermordung irischer Friedensdemonstranten und United 93 über die Flugzeugentführung von 9/11 bekannt wurde. Die einschlägigen Fertigkeiten nutzte er nun für Bourne 3: Virtuose Handkameraführung, Verzicht auf Computereffekte und lange, von keinem Drehbuch eingeengte Improvisationen schaffen eine Atmosphäre bedrohlicher Authentizität. So genoss Damon, der Bourne als zweites Ich bezeichnet, jede Freiheit. Selbst die Kampfszenen, sonst stets Ergebnisse choreografischer Feinarbeit, entstanden spontan. Greengrass, der Damon als den härtesten Arbeiter Hollywoods rühmt, konzipiert schon das nächste gemeinsame Projekt (Imperial Life in the Emerald City, Drehbeginn im Jänner 2008). Matt hat einen sehr scharfen Intellekt, was für einen Schauspieler sehr wichtig ist. Aber noch entscheidender ist, dass er Herz und Seele hat und ein unglaublicher Athlet ist, bei dem jede Bewegung wie ein Uhrwerk abläuft. Es gibt nicht viele seiner Sorte, rühmt Greengrass. Damons Gegenkompliment: Er ist einer der ganz Großen unter den Regisseuren unserer Zeit.
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