Sonntag, 2. September 2007

Julius Meinl V. im großen FORMAT-Interview:
"Wir wollen jetzt Musterschüler werden!"

  • Ein rauher Wind herrscht derzeit im Meinl-Imperium
  • "Marke Meinl hat noch keinen Schaden genommen!"

Schlechte Zeiten sind angebrochen für Firmen die den Namen Meinl führen: Meinl European Land, Meinl Airports und Meinl Power stürzten ab. Julius Meinl V. und MEL-Sprecher Staller geben im großen FORMAT-Talk Auskünfte über die Hintergründe zu den Aktienrückkäufen bei MEL und über die Folgen für die Traditionsmarke.

Format: Herr Meinl, warum haben Sie für die Meinl European Land (MEL, Anm.) eine Jersey-Konstruktion gewählt und sich nicht einfach mit einer Gesellschaft österreichischen Zuschnitts dem hiesigen Aktienrecht unterworfen?
Meinl: Wir haben uns für diese Konstruktion schon bei der Firmengründung 1996 entschieden, also acht Jahre vor dem Börsengang, von dem damals noch keine Rede war. Jersey ist nicht die Karibik …

Format: … immerhin reden wir von einer Offshore-Firma.
Meinl: Das mag schon stimmen. Aber bis vor vierzig Jahren war Jersey-Recht Teil des englischen Aktienrechts.

Format: Das ist lange her.
Meinl:Angesichts der Geschichte des britischen Aktienrechtes ist das keine so bedeutende Zeitspanne. In Österreich ist das Kapitalmarktrecht im Vergleich dazu noch sehr jung, auch wenn viele hier glauben, dass wir es erfunden haben.

Format: Es sieht jetzt so aus, als hätten Sie die Offshore-Konstruktion bewusst gewählt, um außerhalb der in Österreich geltenden Gesetze Transaktionen vornehmen zu können.
Meinl: Böswillig unterstellen kann man natürlich vieles, aber das ist Unfug. Die MEL erfüllt bereits jetzt 99 Prozent aller Reglementarien an der Wiener Börse. Wir wollten via Jersey eine Konstruktion, die der eines offenen deutschen Immobilienfonds nahe kommt und jederzeit Zertifikate rückkaufen kann. Uns ist aber bewusst, dass wir es hier mit einem Spannungsfeld zwischen den österreichischen Regeln und der Freiheit des Jersey-Rechtes zu tun haben. Das bringt einerseits Vorteile, die sich im Sinne des Unternehmens und zugunsten der Investoren nutzen lassen, andererseits erfordert das besondere Sensibilität.

Format: Die MEL hat diese Freiheit genutzt, um ohne Wissen der Investoren im großen Stil eigene Aktien zurückzukaufen - und zwar um Geld, das sie erst im Februar für Immobilienprojekte in Osteuropa vom Kapitalmarkt geholt hat.
Meinl: Es ist falsch, dass die Investoren nicht informiert waren. Diese Möglichkeit für das Management ist im Börsenprospekt für die Kapitalerhöhung klar ausgewiesen. Und zwar auf Seite 105.

Format:Wieso holt man sich Geld vom Kapitalmarkt, wenn man es dann offenbar gar nicht für Immobilienprojekte braucht?
Staller: Wir denken langfristig. Wir haben früh gesehen, dass die Gunst der Immobilienwerte an der Börse auch wieder sinken kann, und deshalb die Kapitalerhöhung zeitgerecht vorgenommen. Im Frühjahr 2007 hat sich dann herausgestellt, dass einige Russland-Projekte auch günstig über Kredite refinanzierbar sind. Deshalb war freies Kapital verfügbar. Das ist ja auch noch immer da. Die Aktien, die wir gekauft haben, haben wir schließlich nicht eingestampft. In den eigenen Aktien sind die Mittel jetzt sinnvoll zwischenveranlagt. Es gibt aber auch noch einen anderen triftigen Grund für den Rückkauf.

Format: Der wäre?
Staller: Als größter Immobilienentwickler in Osteuropa wird man automatisch für ganz große internationale Player der Branche interessant. Da gilt es, Vorsorge zu treffen.

Format: Glauben Sie, dass die Marke Meinl durch die ganze Angelegenheit Schaden genommen hat?
Meinl: Sie hat noch keinen Schaden genommen und wird das auch nicht tun. Vor allem deshalb nicht, weil wir jetzt mit gezielten Maßnahmen gegensteuern. Wir werden transparenter agieren und offener kommunizieren.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT 35/07!

2.9.2007 10:27