Donnerstag, 30. August 2007

Molterer & Bartenstein für Mitarbeiter-
Beteiligung: Jetzt Sozialpartner am Zug

  • Ergebnis- und Unternehmensbeteiligung gleichstellen

Die ÖVP setzt sich für neue Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung ein. Demnach können Unternehmen ihre Mitarbeiter freiwillig am Betrieb oder am Ergebnis beteiligen. Für die Arbeitnehmer soll es steuerliche Anreize für eine solche Beteiligung geben, kündigten Vizekanzler Finanzminister Wilhelm Molterer und Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein an.

Grundidee ist eine "faire Teilung des Ertrages zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer", so Molterer. Das könne kein Ersatz sein für Tarifverhandlungen oder Lohnpolitik, sondern ein vom eigentlichen Lohn unabhängiges zweites Standbein. Bartenstein sprach von der "Butter", die eine solche Beteiligung aufs "Brot" des eigentlichen Lohns bedeuten solle.

Derzeit halten rund 6 Prozent der Mitarbeiter in Österreich Kapitalanteile an ihrem Unternehmen, weitere 5 Prozent kommen in den Genuss einer Ergebnisbeteiligung. In Ländern wie Frankreich oder Großbritannien liegen diese Anteile zwischen 20 und 30 Prozent.

Sozialpartner am Zug
Jetzt seien die Sozialpartner am Zug, bei einer Zustimmung soll es im Herbst zu Detailverhandlungen kommen. Im Zuge von Betriebsvereinbarungen sind solche Beteiligungen bereits jetzt möglich, neu wäre vor allem der steuerliche Anreiz.

Wie bei einer Unternehmensbeteiligung solle es auch bei einer Ergebnisbeteiligung steuerliche Anreize geben, stellte Molterer in Aussicht. Eine Ergebnisbeteiligung soll es nur bei einem Gewinn geben, zu einer "Verlustbeteiligung" soll es also nicht kommen. Denkbar seien etwa Bonus- oder anteilsbasierte Beteiligungsmodelle, sagte Bartenstein.

Molterer sprach von einer "win-win-Situation" für beide Seiten. Durch eine Beteiligung würden die Arbeitnehmer stärker ans Unternehmen gebunden, damit würden sich Leistungsbereitschaft, Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen erhöhen. Davon würden auch die Arbeitgeber profitieren.

Interesse an Beteiligungen
Eine von beiden Ministerien beim Marktforschungsinstitut GfK in Auftrag gegebene Studie bescheinigt ein deutliches Interesse an Mitarbeiterbeteiligungen. 76 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Beteiligung aus. Konkret wollen 55 Prozent der Befragten eine freiwillige und weitere 21 Prozent eine gesetzlich verpflichtende Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg.

Eine deutliche Mehrheit (63 Prozent) zieht eine Beteiligung am jährlichen Unternehmensgewinn einer direkten Beteiligung am Unternehmen vor (7 Prozent). 30 Prozent der Befragten wünschen eine doppelte Beteiligung.

Gemischte Reaktionen
Die Reaktionen auf ÖVP-Vorschläge einer stärkeren Mitarbeiterbeteiligung fallen gemischt aus. Für SPÖ-Finanzsprecher Christoph Matznetter sind die steuerlichen Anreize noch zu prüfen, für die Grünen sollen die Arbeitnehmer damit "für dumm verkauft" werden. Die Industrie begrüßt die Maßnahmen ebenso wie die Christgewerkschafter im ÖGB.

(apa/red)

30.8.2007 15:51