Freitag, 31. August 2007

Austria-Jablonec-Spiel nichts für schwache
Nerven: Kraetschmer als "Fan"-Dompteur

  • Schwachsinnige Aktionen mitgereister Austria-Fans
  • Wiener nach Rückspiel-Finish nun im UEFA-Cup weiter

Die Erleichterung stand den Austria-Verantwortlichen auf der Tribüne des Stadions Strelnice ins Gesicht geschrieben. Das Finish im Fußball-UEFA-Cup-Quali-Auswärtsspiel gegen den FK Jablonec (Gablonz) war wahrlich nichts für schwache Nerven. Der späte Ausgleich der Tschechen zum 1:1 hatte den Wienern bange Schlussminuten beschert, die durch schwachsinnige Aktionen einiger mitgereister Austria-Fans noch zusätzlich verschärft worden waren.

Markus Kraetschmer zitterte die letzten Minuten nicht mehr auf der VIP-Tribüne, sondern vor dem als "Käfig" konzipierten Austria-Fan-Sektor. Der Vereins-Manager und zwei Fan-Betreuer versuchten nach Kräften, ein paar schwer alkoholisierte Chaoten davon abzubringen, Gegenstände und Werbetafeln auf das Spielfeld zu werfen. Zuvor hatten diese beinahe Austria-Keeper Safar mit Knallkörpern getroffen und die Partie so an den Rande eines Abbruchs gebracht. UEFA-Beobachter und Schiedsrichter waren laut Kraetschmer jedenfalls nicht mehr weit von dieser Maßnahme entfernt.

Am Ende überwog aber die Freude über den Einzug in die erste Hauptrunde. General-Manager Thomas Parits empfing die Austria-Elf jubelnd am Spielfeldrand und Kraetschmer musste erst einmal ein paar Minuten verschnaufen, ehe er eine erste Bilanz zog: "Natürlich zittert man mit der Mannschaft um den sportlichen Erfolg. Aber es ist heute auch um viel Geld gegangen, das wir im Budget eingeplant haben. Das Wichtigste ist, dass die positive Welle weiterrollt. Jetzt werden gegen Kärnten in der Meisterschaft noch mehr Leute ins Horr-Stadion kommen."

Kraetschmer bestätigte außerdem den aus Gesprächen mit der gesamten Austria-Delegation gewonnenen Eindruck, dass in Favoriten mit Parits ein frischer Wind, aber vor allem auch Ruhe und Kontinuität eingekehrt sind. "Ich freue mich für Tommy Parits und Georg Zellhofer. Das ist der Lohn für ihre gute Arbeit", so der Manager. Und auch Trainer Zellhofer selbst, der in Jablonec inklusive Einwechslungen acht Österreicher zum Einsatz gebracht hatte, betonte: "Das war heute ein weiterer Schritt auf dem richtigen Weg der Austria. Der Aufstieg ist für Mannschaft und Verein sehr wichtig."

Ein bisheriges "Sorgenkind" hatte seinen Coach zuvor voll überzeugt. Der polnische Nationalspieler Jacek Bak bestach im Rückspiel durch Sicherheit, Routine und Einsatz. "Heute hat er so gespielt, wie ich ihn mir vorstelle. Er hat souverän seinen Mann gestanden", lobte Zellhofer den Innenverteidiger. Überhaupt haben "Leidenschaft und Kampfgeist hundertprozentig gepasst", urteilte der Oberösterreicher, der mit seiner Truppe in der laufenden Saison noch kein Pflichtspiel verloren hat.

Das Tüpfelchen auf dem i war für den Austria-Trainer natürlich, dass sein zuletzt öfters auf der Bank zu findende Wunschspieler Yüksel Sariyar in der 39. Minute das immens wichtige Auswärtstor, noch dazu ein wunderschönes, erzielt hatte. "Er hat sich sein Leiberl im Training hart erkämpft. Bei ihm setzte ich aber auch höhere Maßstäbe an, so ehrlich bin ich", sagte Zellhofer.

Sariyar überzeugte aber nicht nur durch den herrlichen Weitschuss, sondern mit einer generell starken Leistung. "Was gibt es schöneres? Lange nicht gespielt, Chance genützt und Tor geschossen. Jetzt hoffe ich, dass es bei mir weiter bergauf geht", freute sich der Mittelfeldspieler, ehe er sich in der Kabine von seinen Mannschaftskollegen feiern ließ.

Ergebnis

Tore: 0:1 (39.) Sariyar
1:1 (83.) Rilke

Gelbe Karten: keine bzw. Schiemer, Lasnik

Hinspiel: 3:4, Austria mit Gesamtscore von 5:4 in der 1. Hauptrunde

(apa/red)

31.8.2007 10:46