Montag, 27. August 2007

Die Weltmeisterschaft spitzt sich zu: Vier Fahrer kämpfen um Titel in der Formel 1!

  • Ferrari erhöht mit Erfolg Druck auf McLaren-Mercedes
  • Wurz und Red-Bull-Teams in Istanbul matt & erfolglos

Ferrari hat rechtzeitig vor dem Heimrennen in Monza Selbstvertrauen im Titelkampf der Formel 1 getankt. "In diesem Job darf man niemals aufgeben, weil sich die Dinge schnell ändern können", betonte Ferrari-Generaldirektor Jean Todt nach dem Doppelerfolg seiner Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen im Großen Preis der Türkei in Istanbul. Während Todt die "sehr gute Harmonie" bei den Roten lobt, herrscht bei McLaren-Mercedes zwischen Weltmeister Fernando Alonso und Teamchef Ron Dennis offenbar weiter Eiszeit.

"Das sieht immer ein bisschen komisch aus, wenn die beiden miteinander sprechen", bemerkte auch BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld, nachdem Dennis vor Journalisten versucht hatte, seinem spanischen Piloten zum dritten Platz zu gratulieren. Doch der Asturier wirkte unterkühlt und fast befremdet, nachdem Dennis zu seinem Schützling vorgedrungen war.

Erst als ihn Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug im Motorhome väterlich in den Arm nahm, huschte ein Lächeln über Alonsos Gesicht. Die Tatsache, dass er Boden auf seinen jedoch weiterhin in der Gesamtwertung führenden Stallrivalen Lewis Hamilton gut machen konnte, nahm Alonso dagegen recht emotionslos auf. "Um ehrlich zu sein, hat sich nichts geändert", meinte der 26-Jährige.

"Lewis ist platt"
Die internationale Presse sah dies etwas anders. "Lewis ist platt", schrieb der englische "Daily Mail", nachdem Hamilton durch seinen Reifenplatzer 15 Runden vor dem Rennende nicht über den fünften Rang hinausgekommen war. "Die WM wird immer heißer. Hamilton verliert das erste von sechs Finals", schrieb "Sport" aus Alonsos Heimat Spanien. "Ferraris Super-Coup. Massa unfehlbar, der rote Rennstall träumt, jetzt ist McLaren in Schwierigkeiten", schwärmte "La Repubblica" aus Italien.

"Vier Fahrer haben fünf Rennen vor dem Saisonende noch Chancen auf den Titel - das hat es schon lange nicht mehr gegeben", stellte Mercedes-Motorsportchef Haug fest: "Dass zwei Fahrer von uns an der Spitze sind, ist besser als umgekehrt." In Zahlen drückt sich das so aus: Hamilton führt nach 12 von 17 WM-Läufen mit 84 Punkten. Alonso folgt auf Rang zwei mit nur fünf Zählern weniger (79). Massa und Räikkönen haben 15 und 16 Punkte Rückstand auf Hamilton. In der Teamwertung liegen die Silberpfeile (148) vor Ferrari (137) und BMW-Sauber (77).

Im Konstrukteurs-Klassement hofft McLaren-Mercedes auf die Verhandlung in Sachen Boxen-Blockade von Budapest. Wegen Alonsos Manöver in der Qualifikation waren dem Team die 15 Punkte aus dem Rennen aberkannt worden. Am 19. September wird der Fall in Paris verhandelt, knapp eine Woche nach der ebenfalls mit größter Spannung erwarteten Berufungsverhandlung wegen der Spionage-Affäre zwischen den beiden Kontrahenten.

McLaren besticht durch Konstanz
Im Duell der Erzrivalen sollte Ferrari aber besser nicht mit einem Dauertief der Silberpfeile rechnen. Auch der schwelende Konflikt zwischen Hamilton und Alonso sowie die Kritik des Spaniers am eigenen Team brachten McLaren-Mercedes bisher nicht wirklich aus der Bahn. In allen bisherigen zwölf Rennen kamen Hamilton und Alonso ins Ziel. Nur auf dem Nürburgring blieb Hamilton ohne Punkte. Für Ferrari war der Türkei-Triumph wiederum das erste Rennen seit dem Doppelerfolg in Magny-Cours ohne Patzer. "Wir haben Fehler gemacht. Aber wir sind auch nur Menschen", meinte Todt über die zurückliegenden Grand Prix'.

Ob im kommenden Jahr das ehemalige "Superhirn" Ross Brawn wieder mit auf dem Kommandostand der Scuderia steht, ist weiter offen. Todt bestätigte, dass weitere Gespräche geführt würden. "Vielleicht finden wir einen gemeinsamen Punkt, vielleicht auch nicht." Todt selbst stellte klar, dass er noch keineswegs an einen Rückzug denkt. Wie auch immer die WM in diesem Jahr ausgeht.

Keine Punkte für Österreicher-Teams
Die "Formel Austria" riss in der Türkei keine Bäume aus. Alex Wurz fuhr im Williams von Startplatz 14 auf Rang elf, liegt aber in der WM mit seinen 13 Punkten aber immer noch vor dem in Istanbul siebentplatzierten Teamkollegen Nico Rosberg (9). "Mein Start war wieder einmal sehr gut. Platz neun wäre mit etwas Glück drin gewesen", sagte der Niederösterreicher.

Bei Red Bull fiel Mark Webber mit Defekt aus, auch David Coulthard blieb als Zehnter ohne Punkt. Bei Toro Rosso hielt Speed-Ersatzmann Sebastian Vettel nur die beiden Spyker hinter sich. Tonio Liuzzi wurde 15. "Das ist genau das, wo wir sind", hielt Gerhard Berger emotionslos fest. Dem Italiener konzidierte er ein gutes Rennen. "Seit Scott Speed weg ist, ist Tonio wieder, wie er sein sollte", sagte Berger, der am Saisonende aber auch Liuzzi gegen Sebastien Bourdais austauschen wird. "Die Fahrerwechsel haben viel Ruhe ins Team gebracht", so Berger.

(apa/red)

27.8.2007 14:52
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts