Sonntag, 2. September 2007

Neue Spur nach Mafiamord von Duisburg: Hat sich der Killer nach Italien abgesetzt?

  • Auto von mutmaßlichem Killer in Hamburg gesehen
  • Deutschland & Italien für bessere Zusammenarbeit

Im Fall des Duisburger Sechsfachmordes führt eine neue heiße Spur nach Hamburg: Ein Taxifahrer entdeckte in der Hansestadt offenbar den Mietwagen des mutmaßlichen Mafiakillers Giovanni Strangio. Trotz einer Fahndung mit 23 Funkstreifenwagen wurde der Renault Clio nach Polizeiangaben aber zunächst nicht gefunden. Die deutschen und italienischen Behörden wollen bei der Mafiabekämpfung künftig enger zusammenarbeiten, wie BKA-Chef Jörg Ziercke unterdessen ankündigte.

Der Taxifahrer meldete sich gegen 6.10 Uhr telefonisch bei der Polizei und teilte mit, dass er das Auto mit dem Kennzeichen HH-BM 7070 mit mehreren Männern im Stadtteil St. Pauli gesehen habe. Die darin sitzenden Personen kämen ihm verdächtig vor. Es sehe so aus, als hantierten sie mit einer Waffe. Weil er einen Fahrgast beförderte, konnte der Taxifahrer nach Polizeiangaben das Auto nicht weiter beobachten. Dem Mann war offenbar nicht bewusst, dass das Auto im Zusammenhang mit dem Duisburger Mord gesucht wird. Die Beamten baten den Tippgeber, sich erneut mit den Behörden in Verbindung zu setzen.

Den Duisburger Ermittlern zufolge gibt es bei der Autovermietung insgesamt 16 schwarze Renault Clio, deren Kennzeichen alle mit HH-BM 70 beginnen. "Wir gehen dennoch dem Hinweis mit aller Ernsthaftigkeit nach", sagte ein Sprecher.

Die Beamten fahnden seit Freitag nach dem 28-jährigen Strangio als einen der mutmaßlichen Täter. Der aus dem kalabrischen Siderno stammende Italiener steht unter dringendem Verdacht, für den Mord in der Ruhrgebietsstadt verantwortlich zu sein. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Gesuchten.

Am 15. August waren in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs vor dem Restaurant "Da Bruno" sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren erschossen worden. Hintergrund ist wahrscheinlich ein seit 1991 in Süditalien schwelender Mafiakrieg zwischen konkurrierenden Clans. Aus der Bevölkerung gingen seit der Tat etwa 540 Hinweise ein.

Inzwischen vereinbarten Deutschland und Italien die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, um die Mafia besser zu bekämpfen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Nach Einschätzung des italienischen Oberstaatsanwaltes Pietro Grasso gibt es auch in Duisburg eine Zelle der kalabrischen Mafia- Organisation 'Ndrangheta. Der Clan habe wie in der italienischen Stadt San Luca Mitglieder und Logistik. Es sei "möglich, dass dort auch die gegnerische Seite ihre Basis und ihre Logistik hat", sagte Grasso am Freitag im WDR. Nur so lasse sich der Ausbruch offener Gewalt zwischen den Clans außerhalb von San Luca erklären.

(apa/red)

2.9.2007 17:21