Sonntag, 2. September 2007

Geiseln in ihre Heimat zurückgekehrt: Seoul dementiert weiter Lösegeldzahlungen

  • Waren am 19. Juli von Taliban verschleppt worden
  • Südkorea verpflichtete sich zum Truppen-Abzug

Nach ihrer Freilassung aus afghanischer Geiselhaft sind 19 Südkoreaner am Sonntag unter Tränen von ihren Familien in der Heimat begrüßt worden. "Wir waren praktisch gestorben und haben unser Leben zurückerhalten", sagte der Sprecher der Gruppe nach ihrer Ankunft am Flughafen Incheon nahe Seoul. Er entschuldigte sich im Namen der Gruppe bei der südkoreanischen Bevölkerung für "die Unruhe und Sorgen", die sie verursacht hätten. Auch wollten sie sich bei allen bedanken, die sich um ihre sichere Rückkehr bemüht hätten, sagte der Koreaner. "Wir schulden dem Land und den Menschen sehr viel", sagte Yu Kyong Sik.

Die Gruppe wurde nach der Ankunft direkt zu Untersuchungen in ein Krankenhaus in einem Vorort von Seoul gebracht. Die südkoreanische Regierung dementierte Medienberichte, denen zufolge sie die Freiheit ihrer Landsleute mit Lösegeld erkauft hatte. Das Schicksal des Mitte Juli in Afghanistan entführten Deutschen Rudolf B. war unterdessen weiterhin ungewiss.

Am 19. Juli verschleppt
Die christlichen Aufbauhelfer, 16 Frauen und sieben Männer, waren am 19. Juli von den Taliban verschleppt worden. Die radikalislamische Miliz hatte zwei männliche Geiseln ermordet, zwei kranke Frauen hatten sie freigelassen. Die 19 verbliebenen Geiseln waren am Mittwoch und Donnerstag nach langen Verhandlungen freigekommen. Von dem Tod ihrer Mitstreiter erfuhren die Geiseln nach eigenen Angaben erst bei ihrer Freilassung. "Als wir das hörten, konnten wir alle nicht darüber hinwegkommen", sagte der 55-jährige Sprecher Yu Kyeong Sik. Er bat um etwas Zeit und Ruhe, dann "werden wir alles genau erklären".

Die Taliban ließen ihre Geiseln nach direkten Verhandlungen mit der südkoreanischen Regierung unter Vermittlung eines indonesischen Diplomaten frei. Im Gegenzug verpflichtete sich Seoul, seine 210 Soldaten - wie ohnehin geplant - aus Afghanistan abzuziehen und christliche Missionare von Besuchen des muslimischen Landes abzuhalten.

Lösegeld in Millionenhöhe
Verschiedenen Medienberichten zufolge soll Seoul außerdem Lösegeld in Millionen-Höhe gezahlt haben. Die Regierung in Seoul streitet dies jedoch ab. "Wir haben niemals Lösegeld gezahlt", sagte ein Präsidentensprecher. Auch der Geheimdienst-Chef Kim Man Book, der die Verhandlungen in Afghanistan persönlich beaufsichtigt hatte, dementierte jegliche Zahlungen an die Taliban.

Außenminister Song Min Soon verteidigte das Vorgehen Südkoreas in der Geiselkrise. Angesichts von 19 Menschenleben auf der Waagschale habe Seoul keine andere Wahl gehabt, als mit den Taliban zu verhandeln, sagte er am Samstag. Die Regierung habe versucht, "eine Balance zu halten zwischen internationalen Normen und Gewohnheiten in solchen Fällen sowie der absoluten Priorität, dass wir das Leben dieser Menschen retten mussten".

Seoul war international kritisiert worden, weil es sich auf direkte Verhandlungen mit den Entführern eingelassen hatte. Dadurch habe sie diese zu weiteren Geiselnahmen ermuntert, sagte etwa der kanadische Außenminister Maxime Bernier.

(apa/red)

2.9.2007 13:54