Donnerstag, 30. August 2007

"Fehde von San Luca": 40 Haftbefehle nach den Mafiamorden im deutschen Duisburg

  • Mitglieder von Mafia-Clan in Italien festgenommen

40 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta sind in der süditalienischen Region Kalabrien festgenommen worden. Sie gelten als Mitglieder einer der Clans, die in der sogenannten Fehde von San Luca verwickelt sind. Im Rahmen dieser Fehde waren am 15. August sechs Personen in Duisburg getötet worden.

Die Haftbefehle wurden aufgrund von Ermittlungen der Anti-Mafia-Einheit der kalabresischen Hauptstadt Reggio Calabria erlassen. Sie betreffen mehrere Mitglieder der Mafia-Familien Nirta-Strangio und Pelle Vottari. Festgenommen wurden auch einige Brüder der Opfer von Duisburg, darunter Achille Marmo, Bruder des in Deutschland erschossenen Marco M. Auch Giovanni St., Bruder des in Duisburg ermordeten Sebastiano St., wurde verhaftet. Zu den prominentesten Mafia-Bossen, die festgenommen wurden, zählt Giovanni N. Keiner der Mafiosi wurde jedoch wegen Beteiligung am Blutbad in Duisburg festgenommen, teilte die italienische Polizei mit.

Den Festgenommenen wird unter anderem Mord, Waffenhandel, sowie Beteiligung an mafiösen Organisationen vorgeworfen, teilte die Polizei mit. Im Rahmen der Anti-Mafia-Razzia wurden 400 Polizisten, eingesetzt. Die Polizei will weitere Racheaktionen im Rahmen der blutigen Fehde zwischen rivalisierenden Clans der 'Ndrangheta vermeiden.

"Die Festnahme sind eine starke und notwendige Reaktion des Staates, um die Mafia-Fehde zwischen Clans in Kalabrien zu stoppen", betonte der italienische Innenminister Giuliano Amato. Ziel der Razzia sei, weitere Morde in Kalabrien als Racheaktion nach dem Mord in Duisburg zu verhindern. "Jetzt wollen wir die fruchtbare Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei fortsetzen, um die Interessen der 'Ndrangheta in Deutschland zu bekämpfen und die Killer des Blutbades in Duisburg zu entlarven", sagte der Innenminister auf einer Pressekonferenz in Rom.

Im Rahmen der Ermittlungen um den Sechsfach-Mord von Duisburg ist der Chef des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Donnerstag in Kalabrien eingetroffen. Ziercke führte Gespräche mit dem Vize-Polizeichef Nicola Cavaliere. An der Zusammenkunft war auch der bekannte Anti-Mafia-Staatsanwalt Piero Grasso beteiligt. Grasso warnte, dass noch mehrere Bosse der 'Ndrangheta festgenommen werden müssen. "Wir sind sicher, dass wir mit der Unterstützung der europäischen Polizei rechnen können", meinte Grasso.

(apa/red)

30.8.2007 13:20