Prozess um Folter in Abu Ghraib: Offizier kommt mit Rüge durch Militärgericht davon!
- Oberstleutnant leitete Verhörzentrum in Gefängnis
- Keine hochrangigen Verantwortlichen verurteilt
Der einzige angeklagte US-Offizier im Militärprozess um die Folterungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib kommt ohne Haftstrafe davon. Eine Militärjury im Bundesstaat Maryland erteilte Oberstleutnant Steven Jordan lediglich eine Rüge, wie die Armee mitteilte. Der 51-jährige Offizier habe zwar keine Schuld an den Misshandlungen, aber er habe entgegen einem Befehl mit anderen Soldaten über die Ermittlungen gegen das Gefängnispersonal gesprochen. Die Höchststrafe wären fünf Jahre Haft und Entlassung aus der Armee gewesen.
Die Form der Rüge blieb zunächst unklar. Dem Militär zufolge kann Jordan ein Gnadengesuch stellen, bevor die Strafe angeordnet wird.
Das Gericht in Fort Meade bei Washington hatte den Offizier am Dienstag vom Hauptvorwurf freigesprochen. Damit folgte es der Argumentation der Verteidigung, dass Jordan zwar für das Verhörzentrum verantwortlich gewesen sei, aber keine Kommandogewalt über die Leute gehabt habe.
Bisher sind nur Soldaten mit Mannschaftsdienstgraden wegen des Folterskandals verurteilt worden. Menschenrechtler kritisierten, dass keine hochrangigen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden seien.
Der Skandal wurde 2004 durch die Veröffentlichung von Fotos ausgelöst, auf denen misshandelte Häftlinge des US-Gefängnisses zu sehen waren. Sie sorgten weltweit für Empörung.
(apa)
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