51 Tote bei Blutbad unter Pilgern in Kerbala: Behörden lösen schiitisches Fest auf
- Ahmadinejad warnt vor Machtvakuum im Irak
- Heftige Gefechte zwischen Us- und irakischen Truppen
Angesichts blutiger Auseinandersetzungen haben die irakischen Behörden ein schiitisches Pilgerfest in der heiligen Stadt Kerbala aufgelöst und eine Million Gläubige nach Hause geschickt. Der Andrang der Menschenmassen führte zu chaotischen Zuständen. Bei mehreren Zwischenfällen kamen am Montag und Dienstag mindestens 51 Menschen ums Leben, etwa 250 wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen verletzt.
Das Innenministerium warf der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr vor, im Zentrum von Kerbala Sicherheitskräfte angegriffen zu haben. Bei Schießereien an mehreren Kontrollstellen wurden zahlreiche Menschen tödlich getroffen. Die riesige Zahl von Pilgern habe die Kontrollposten völlig überfordert, sagte ein Abgeordneter des Stadtrats von Kerbala.
Unbefristetes Ausgehverbot
Die Polizei verhängte schließlich ein unbefristetes Ausgehverbot und ordnete an, dass alle Pilger die Stadt verlassen müssten. Das Innenministerium kündigte die Entsendung von Bussen an, die einen Teil der Menschen aus der Stadt bringen sollten.
Am Shabanijah-Fest in Kerbala, 80 Kilometer südlich von Bagdad gelegen, begehen schiitische Pilger alljährlich den Geburtstag von Mohammed al-Mahdi, einem schiitischen Imam, der im neunten Jahrhundert plötzlich verschwand. Die Gläubigen erwarten, dass er zur Erde zurückkehren wird, um Frieden und Harmonie herzustellen.
Heftige Gefechte zwischen US- und irakischen Truppen
Nördlich von Bagdad flammten heftige Gefechte zwischen amerikanischen und irakischen Truppen auf der einen und sunnitischen Rebellen auf der anderen Seite auf. Dabei wurden nach US-Militärangaben 33 Aufständische getötet. Die sunnitischen Extremisten versuchten den Angaben zufolge, die schiitische Bevölkerung in der Stadt Khalis von der Wasserversorgung abzuschneiden.
In Bagdad begrüßten sunnitische Politiker die jüngste Vereinbarung mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Kernpunkt ist die geplante Freilassung von sunnitischen Gefangenen anlässlich des im September beginnenden Fastenmonats Ramadan. Auch US-Präsident George W. Bush begrüßte das Abkommen als Ausdruck für die erforderliche Versöhnung zwischen den rivalisierenden Gruppen im Irak. Allerdings hat die Irakische Konsensfront, der führende Block der sunnitischen Parteien, noch nicht erklärt, ob er nun wieder in die Regierung zurückkehren wird.
Die Verständigung erfolgte offenbar auf massiven Druck der USA. Bis zum 15. September müssen US-Botschafter Ryan Crocker, der an den Beratungen der irakischen Politiker teilnahm, und General David Petraeus, der Kommandant der US-Truppen im Irak, dem Kongress einen Bericht vorlegen. Dabei geht es auch um die Frage, ob die zusätzlichen 30.000 Soldaten, die Bush zu Jahresbeginn in den Irak beordert hat, dort bleiben oder zurückkehren sollen.
Ahmadinejad warnt vor Machtvakuum im Irak
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad warnte unterdessen vor einem Machtvakuum im Irak. In Anspielung auf die US-Truppen in dem Nachbarland sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Teheran: "Die politische Macht der Besatzer bricht rasch zusammen. Bald werden wird ein großes Machtvakuum in der Region erleben." Der Iran sei bereit, mit Hilfe von Nachbarstaaten und befreundeten Ländern in der Region wie etwa Saudi-Arabien und mit der Hilfe der irakischen Nation die Lücke auszufüllen, sagte Ahmadinejad.
(apa)
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