Donnerstag, 30. August 2007

Sechswöchiges Geiseldrama beendet: Taliban lassen sieben verbliebene Geiseln gehen!

  • Drei Männer und vier Frauen Rotem Kreuz übergeben
  • Afghanische Regierung kritisiert das Vorgehen Seouls

Aufatmen in Südkorea: Sechs Wochen nach Beginn der Geiselkrise in Afghanistan haben die Taliban die restlichen sieben Südkoreaner aus ihrer Gewalt entlassen. "Alle sind freigelassen worden, und dieses Drama ist vorbei", sagte der Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghazni, Mehrajuddin Patan, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die sieben Koreaner wurden dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) übergeben. Über das Schicksal des entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. gab es keine neuen Informationen.

Die Taliban hatten zuvor bereits zwölf der zu diesem Zeitpunkt noch 19 entführten Südkoreaner dem IKRK übergeben. Taliban-Sprecher Qari Yussuf Ahmadi sagte, bei der letzten Gruppe der Freigelassenen habe es sich um drei Männer und vier Frauen gehandelt. Die Taliban hatten am 19. Juli - einen Tag nach der Entführung von Rudolf B. - 23 koreanische christliche Aufbauhelfer im Südosten des Landes überfallen und verschleppt. Zwei männliche Geiseln erschossen sie später; zwei Frauen aus der Gruppe ließen sie frei. Ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul sagte, die Regierung plane, alle 19 freigelassenen Südkoreaner noch am kommenden Wochenende über Dubai in die Heimat zu bringen. Die Familien der Freigelassenen reagierten mit Erleichterung und sprachen den Angehörigen der zwei getöteten Geiseln ihr Beileid aus.

Seoul zieht Soldaten ab
Vertreter der Rebellen und der südkoreanischen Regierung hatten sich auf die Freilassung aller verbleibenden 19 Geiseln geeinigt. Seoul hatte zugesichert - wie bereits zuvor geplant -, seine rund 200 Soldaten bis Jahresende aus Afghanistan abzuziehen sowie "keine Missionare mehr nach Afghanistan zu schicken". Die Vereinbarung stieß vielerorts auf Kritik, da sie als Ermutigung zu weiteren Entführungen aufgefasst wurde. Beobachter in Afghanistan gingen aber davon aus, dass Seoul auch ein hohes Lösegeld bezahlt habe. Ursprünglich hatten die Taliban die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen verlangt. Die afghanische Regierung war darauf nicht eingegangen.

Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta kritisierte das Vorgehen Südkoreas. Im rbb-Inforadio räumte er ein, dass der Eindruck entstanden sei, die Taliban hätten sich durchgesetzt. "Bedauerlicherweise (...) kann das so interpretiert werden." Zum angekündigten Abzug der südkoreanischen Truppen sagte Spanta, dies sei seit Monaten mit der Regierung in Kabul vereinbart. Man sei damit einverstanden gewesen, dass Seoul die zivilen Wiederaufbauaktivitäten verstärken wolle. Die rund 200 koreanischen Soldaten hätten "sowieso mehr symbolische Bedeutung", sagte er. "Aber wenn nach außen der Eindruck erweckt wird, dass die Internationale Gemeinschaft und die afghanische Regierung sich erpressen lassen, dann ist das eine sehr gefährliche Botschaft."

Taliban "bereit alles zu opfern"
In einem Schreiben der Taliban an das südkoreanische Volk, das die Rebellen den letzten Geiseln mitgaben, hieß es: "Ihre Regierung hat den US-Krieg praktisch unterstützt und 200 Soldaten geschickt, um unser Volk zu töten." Noch gefährlicher aber sei gewesen, dass christliche Missionare nach Afghanistan entsandt worden seien, um die Menschen dort zu der im Islam verbotenen Konvertierung zu bewegen. "Unser Volk ist bereit dazu, alles zu opfern, um seine Religion zu behalten."

(apa/red)

30.8.2007 18:51