Forum sucht nach "Vollbeschäftigung": "Flexicurity" und neue Arbeitsmodelle
- Bundeskanzler sprach sich für "Bildungsreform" aus
- Wifo-Chef Aiginger fordert Steuerstrukturreform
·Alpbach: Gusenbauer plant "Berufsmatura"
Damit könne "fast jeder" Matura-Niveau erreichen
·Offener Arbeitsmarkt
für neue EU-Länder
Bartenstein: Ab 2009 sollen Hürden wegfallen
Der Arbeitsmarkt in allen Facetten war das dominante Thema der diesjährigen Wirtschaftsgespräche im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2007 heute zu Ende gehen. Eines der meistgenannten Worte der Tagung war das Zauberwort "Flexicurity" - ein Modell für die Verbindung von Flexibilität und Sicherheit, das die Bedürfnisse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bestmöglich erfüllen soll.
Auf ähnlich viele Nennungen bringt es der Begriff "Vollbeschäftigung" - der nach allgemeinem Konsens eine Arbeitslosigkeit in der Größenordnung von unter 4 Prozent (nach Eurostat-Definition) bezeichnet. Dem provokanten Generalthema "Nie wieder Vollbeschäftigung? Perspektive 2020" zum Trotz hält Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) eine Vollbeschäftigung nach dieser Definition bis zum Jahr 2010 für möglich. "Eine Arbeitslosenquote mit einem Dreier vor dem Komma ist möglich, und heute möglicher als vor einem Jahr", sagte Bartenstein am Freitag in Alpbach.
Gusenbauer: Vollbeschäftigung sei "ambitioniertes Ziel"
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bezeichnete Vollbeschäftigung als "ambitioniertes Ziel", das nur mit zusätzlichen Anstrengungen zu erreichen sei. Unbefriedigend sei für ihn die Tatsache, dass trotz einer Beschäftigung auf Rekordniveau nur jeder vierte Arbeitsplatz von einem bisher Arbeitslosen eingenommen werde. Bei den bisherigen Modellen von "Flexicurity" habe der Sicherheitsaspekt noch Nachholbedarf, meint der Kanzler.
Aiginger: Arbeitslosigkeit immer noch zu hoch
Für Karl Aiginger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) ist die Arbeitslosigkeit in Österreich "noch immer zu hoch", zugleich gebe es eine erhebliche "Nichtausnützung der Arbeitskräfte". Eine wichtige Maßnahme zur Schaffung von Arbeit wäre die Verringerung der Differenz von Brutto- und Nettolohn, die mit bis zu 100 Prozent deutlich zu hoch sei.
"Auch das Steuersystem muss Arbeit schaffen und Leistung belohnen", sagte Aiginger. Die Steuerreform müsse eine "Steuerstrukturreform" werden. Gusenbauer sprach sich heute für ein "leistungsorientiertes Steuersystem" aus, der Faktor Arbeit müsse entlastet werden.
Der Bundeskanzler sprach sich auch für eine "Bildungsreform" aus, er sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Unter-5Jährigen, die keinen Kindergarten besuchen, und jenen, die mit 15 bei der Pisa-Studie Lese- und Rechenschwächen aufweisen. Um Ziele wie die Erhöhung der Forschungsquote auf 3 Prozent und das Vorrücken auf Platz 3 unter den reichsten Ländern Europas zu erreichen, sei eine "Strategie der Spitze" statt einer Strategie der Mitte nötig.
(apa/red)
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