Freitag, 31. August 2007

Erwin Pröll im FORMAT-Sommergespräch: Seine Ansichten zu Kdolsky und Pröll 2

  • "In letzter Zeit hat sich das Familienmodell geändert"

Erwin Pröll ist seit 1992 Landeshauptmann in Niederösterreich. Der Obmann der niederösterreichischen ÖVP gilt - ähnlich wie sein Wiener Amtskollege und Freund Michael Häupl in der SPÖ - auch in der Bundespartei als starker Mann. Es wurde also Zeit LH Erwin Pröll zu den aktuellen Geschehnissen der Politik zu befragen.

Format: Starten wir mit einem vordergründig unpolitischen Thema, der Scheidung von Andrea Kdolsky, genauer: deren Umständen. War es geschickt von ihr, nach ersten Berichten in Ö3 ausführlich darüber zu sprechen?
Pröll: Zuallererst ist das wie in anderen vergleichbaren Fällen für alle betroffenen Personen eine unangenehme Sache. In solchen Spitzenfunktionen kommt aber sicher noch eine politische Irritation dazu.

Format: Denken Sie da auch an den Fall Klestil, der damals ganz von sich aus mediale Öffentlichkeit gesucht hat?
Pröll: Es ist eine sehr sensible Frage, wie man als Spitzenpolitiker speziell in solchen Fällen mit der Öffentlichkeit umgehen soll. Ich will überhaupt nicht urteilen, was klug oder weniger klug war.

Format: Es gibt eine Perspektiven-Debatte in der ÖVP, gemanagt von Ihrem Neffen Josef Pröll. Werden da solche Erfahrungen wie bei Kdolsky einfließen, deren Ehe wie bei mehr als der Hälfte der Österreicher geschieden worden ist? Anders gefragt: Werden die traditionellen ideologischen Familienbilder der ÖVP angesichts zahlloser Patchwork-Familien nicht flexibler werden müssen?
Pröll: Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das gesellschaftliche Umfeld stark verändert und mit ihm sicher auch das Familienmodell. Das ist ein Faktum. Das ändert nichts daran, dass die traditionelle Familie weiter ein Idealbild bleibt. Man muss aber mit jenen, die es nicht schaffen, ihm treu zu bleiben, sehr menschlich und liberal umgehen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Kinder gerichtet bleiben sollte. Ich beneide niemanden, der in eine solche Lage kommt.

Format: Auch die Schulpolitik wird in der ÖVP kontroversiell debattiert.
Pröll: Mir geht es nicht darum, ein Gesamtsystem über Bord zu werfen, sondern Kindern und Eltern in der Frage des Umstiegs von einer auf die andere Schultype mehr Zeit zu verschaffen. Deshalb habe ich den Vorschlag gemacht, für Schüler nach dem Alter von 10 Jahren noch zwei weitere Orientierungsjahre anzubieten. Wir werden das in Niederösterreich ab 2009 organisatorisch umsetzen.

Format: Kommen wir zum Gesamtbefund Ihrer Partei. Sie haben sich gegen Ende seiner Tätigkeit mit Kanzler Schüssel bestens verstanden, trifft das auch auf seinen Nachfolger an der ÖVP-Spitze zu?
Pröll: Meine Haltung zur Bundespartei ist unverändert: Wenn auch im Interesse Niederösterreichs konsequent gearbeitet wird, wird es Applaus von mir geben, wenn nicht, dann Kritik. Das galt für Wolfgang Schüssel, das gilt auch für Willi Molterer: Wir haben ein korrektes und kooperatives Verhältnis.

Format: Ihr Neffe Josef Pröll spielt auf Bundesebene eine wichtige Rolle, schon durch die Perspektivengruppe auch in der ÖVP. Wäre er künftig dort nicht eine logische Führungsfigur?
Pröll: Erstens: Er wie ich achten darauf, dass unser verwandtschaftliches Verhältnis in der Politik völlig außer Obligo ist. Und zweitens: Natürlich hat jemand wie er, der in der zweiten Hälfte seiner Dreißigerjahre steht, dem der liebe Gott ein politisches Sensorium gegeben hat und der in der Regierung gute Arbeit leistet, eine Zukunftsperspektive.

Format: Dafür benötigt er nicht Ihre schützende oder schiebende Hand?
Pröll: Nein, er ist eine sehr eigenständige und runde Person …

Format: Nun zu Ihnen. Niederösterreich wählt im nächsten Frühjahr. Wozu eigentlich noch, meinen Zyniker, Sie bleiben doch Landeshauptmann.
Pröll: Das äußern nur jene, die es weder mit dem Land noch mit mir gut meinen. Wir haben im vergangenen Oktober gesehen, dass eine "gmahte Wiesn" sehr rasch zu einem gefährlichen Glatteis in der Politik werden kann. Aber wir haben aufgrund unserer guten Arbeit sicher eine gute Ausgangssituation.

Das ganze Interview finden Sie im akutellen FORMAT 35/07!

31.8.2007 11:12