Probleme in Oberösterreich bei Klassen-
Schülerzahl: Ministerium ortet "Sonderfall"
- 'Sprengelfremde' machen den Schulen zu schaffen
- Grüne fordern Rücknahme der Stellenplanrichtlinie
Bei der Senkung der Klassenschülerzahlen werden "sprengelfremde" Schüler nicht berücksichtigt. Durch diese vom Unterrichtsministerium vorgegebene Richtlinie sind daher an Pflichtschulen größere Schülerzahlen möglich. Konkret ist vorgesehen, dass "eine Klasse mit 26 SchülerInnen nicht geteilt werden kann, wenn sich ein sprengelfremdes Kind in der Klasse befindet". In Oberösterreich entstehen dadurch Probleme, es fehlen Lehrer-Posten.
In Österreich wird jede öffentliche Pflichtschule einem bestimmten Einzugsgebiet (Sprengel) zugeteilt. Dadurch soll eine möglichst gleichmäßige und planbare Zuweisung der schulpflichtigen Kinder erreicht werden. Festgesetzt wird der Sprengel von der jeweiligen Landesregierung. Für Privatschulen, allgemeinbildende höhere Schulen sowie für weiterführende Schulen gilt keine Sprengelzuteilung.
Zwar bleibt die Gesamt-Schülerzahl trotz Sprengel gleich, eine größere Anzahl an "sprengelfremden" Kindern kann einer Schule dabei aber auf den Kopf fallen: So hat laut ORF Oberösterreich die Polytechnische Schule in Leonding 98 "eigene" Schüler, was bei einer Klassenschülerzahl von höchstens 25 vier Klassen ergäbe. Dazu kommen aber noch 44 "sprengelfremde" Schüler, die noch untergebracht werden wollen. Dies ergäbe dann statt um die 25 Schüler pro Klasse auf einmal rechnerisch 35.
Ministerium: "Sonderfall"
Im Unterrichtsministerium ortet man in Oberösterreich einen "Sonderfall" und "Nachadjustierungsbedarf" - in anderen Bundesländern habe es derartige Probleme allerdings nicht gegeben, hieß es gegenüber der APA. Keinesfalls werde es aber Klassen mit 35 Schülern geben - dies sei gesetzlich gar nicht möglich, da die absolute Obergrenze bei 30 liege.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied sprach im ORF-"Mittagsjournal" davon, dass die "Arbeitsbeziehungen" mit Oberösterreich "verbessert" werden müssten. Durch eine andere Sprengeleinteilung könnten die Probleme vermieden werden - so habe etwa Niederösterreich zuletzt die Sprengeleinteilung geändert.
Das Problem mit den "Sprengelfremden" ist kein neues: Der Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an den Pflichtschulen, Gerald Netzl, hatte schon im Juli vor dem Problem gewarnt. "Unterrichtsministerium, Landesschulrat und Direktor der betreffenden Schule sind aufgefordert, rasch Lösungen im Interesse der betroffenen Jugendlichen zu finden. Es darf nicht sein, dass auf dem Rücken junger Menschen ein Polit- bzw. Finanzstreit ausgetragen wird", so Netzl gegenüber der APA. Wenn es ähnliche Fälle auch in anderen Sprengeln bzw. Bundesländern geben, sei eine bundeseinheitliche Lösung nötig.
Grüne fordern Rücknahme der Richtlinie
Die Grünen verlangen von Unterrichtsministerin Schmied die Rücknahme der Stellenplanrichtlinie in Sachen der Nicht-Berücksichtigung von "sprengelfremden" Schülern bei der Senkung der Klassenschülerhöchstzahl. "Für die Eltern ist es völlig unerheblich, ob auch sprengelfremde SchülerInnen in einer Klasse sind. Sie haben das Recht, dass die versprochene Höchstzahl von 25 SchülerInnen eingehalten wird", so Brosz in einer Aussendung.
BZÖ-Wissenschaftssprecher Gernot Darmann sprach in einer Aussendung von einer "erneuten schwarz-roten Mogelpackung": "Tarnen und Täuschen, das ist das Einzige was diese Bundesregierung kann. Die Weisung von Ministerin Schmied, Schüler aus fremden Schulsprengeln nicht zu zählen, ist absurd und wirft ein bezeichnendes Sittenbild dieser Regierung."
Einen anderen Aspekt kritisierte die Leiterin der ÖVP-Perspektivengruppe Bildung, Katharina Cortolezis-Schlager. Trotz "Richtwerts" 25 würden in zwei Drittel der ersten AHS-Klassen noch mehr als 25 Schüler sitzen. Von der Einhaltung des Versprechens, die Klassenschülerhöchstzahlen auf maximal 25 zu senken, sei Schmied "im Moment sehr weit entfernt".
(apa/red)
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