Donnerstag, 30. August 2007

Kein Studiengebühren-Ersatz für Tutoring: Hahn-Vorstoß löst Wirbel in Koalition aus

  • Schülerberatung von Profis, nicht von Studenten
  • Schmied: Vorschlag Hahns war nicht abgesprochen

Die Grenzen für die geplante Studiengebühren- Rückerstattung werden noch enger gezogen. Eine der beiden geplanten Möglichkeiten, die Studienberatung an höheren Schulen, soll nun zugunsten einer Schülerberatung fallen. Mittels Tests sowie Gesprächen mit ausgebildeten Studienberatern sollen Schüler über passende Studien bzw. Alternativen informiert werden, kündigte Wissenschaftsminister Hahn (V) an. Demnach können sich Studenten die Studiengebühren nur mehr zurückverdienen, in dem sie Nachhilfestunden geben.

Durch einen von der Bildungspsychologin Christiane Spiel entwickelten Test sollen Begabungen und Interessen der Schüler der vorletzten Schulstufe festgestellt werden. Ein professioneller Studienberater soll dann die Ergebnisse interpretieren und eine Stunde lang mit dem Schüler besprechen. "Im Idealfall entsteht eine Short-List mit drei Studienrichtungen, die zu ihm passen, oder Alternativen zu einem Studium", so Hahn.

Bereits im Sommersemester 2008 soll es ein Pilotprojekt in einigen AHS dazu geben. Im Schuljahr 2008/09 soll es auf alle Gymnasien ausgedehnt werden, später folgen die berufsbildenden höheren Schulen.

Dazu will Hahn die psychologische Studienberatung an den Unis aufstocken: "Statt der derzeit 40 Psychologen soll es 80 geben." Die Aufwendungen für Studienberatung steigen von 2,4 auf 3,5 Mio. Euro.

Durch die Profi-Beratung kann die Studiengebühr aber nicht mehr durch Tutoring abgearbeitet werden. Als Grund führte Hahn auch die Weigerung der Hochschülerschaft (ÖH) an, das Modell abzuwickeln: "Ohne die ÖH wäre der bürokratische Aufwand zu groß." Refundiert werden soll die Gebühr daher nur mehr über das "Mentoring"-Modell (60 Stunden Nachhilfe bzw. Stütz-oder Förderunterricht für Zehn- bis 14- Jährige pro Semester). Auch hier verweigert die ÖH nach wie vor die Mitarbeit, die Abwicklung ist daher noch unklar.

Schmied: Nicht abgesprochen
Der Vorstoß Hahns ist laut Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) nicht mit ihr abgesprochen. Es sei eine Sitzung der Arbeitsgruppe zu diesem Thema angesetzt, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Unterrichtsministerium. Es wäre sinnvoll gewesen, diesen Vorschlag dort einzubringen und diesen nicht über die Medien auszurichten.

Hahn: Mehrmals besprochen
Hahn hat die Aussage Schmieds, als "Missverständnis" bezeichnet. Gegenüber der APA erklärte er, er habe mit der Ministerin mehrmals darüber gesprochen, "zuletzt heute Vormittag". In der Vorwoche habe er, Hahn, auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) informiert, der mit dem Vorschlag einverstanden sei.

(apa/red)

30.8.2007 07:29