Mittwoch, 5. September 2007

Investmentbanker Wolfgang Flöttl intim: "BAWAG-Prozess ist heikle Sache für mich"

  • FORMAT: Milliardenspekulant im ungezwungenen Talk
  • Aufstieg und Fall: Flöttl drohen bis zu zehn Jahre Haft

Wolfgang Flöttl besucht Kreta. In letzter Zeit geschieht das besonders häufig. Seit dem Beginn des Bawag-Prozesses am 16. Juli zählt das griechische Restaurant in der Wiener Rainergasse 12 zu seinen bevorzugten Lokalen. "Das Essen ist gut und leistbar", sagt Flöttl. "Ich bin gerne hier." Derzeit fehle ihm einfach die Kraft, sich am Abend noch in die Küche zu stellen. Seine bevorzugte Menü-Kombination im "Kreta": Bauernsalat, Kalamari und Baklava.

Die Antriebslosigkeit ist nicht überraschend: Immerhin schwitzt der 52-jährige Investmentbanker tagtäglich im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts. Von Montag bis Donnerstag muss sich Flöttl im Bawag-Verfahren dem Vorwurf der Beihilfe zur Untreue stellen. Durchschnittlich sechs Stunden am Tag drückt er die Anklagebank. Das Gericht verlässt er spät und erschöpft. Daran wird sich so bald nichts ändern, denn ein Urteil wird frühestens Ende November gefällt. Bei einem Schuldspruch drohen Flöttl - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - bis zu zehn Jahre Haft, was seinen persönlichen Stressfaktor noch weiter erhöht.

"Heikle Sache"
"Der Prozess ist eine heikle Sache für mich. Dazu werden Sie kein Wort von mir hören", sagt Flöttl und nippt an seinem Makedonikos, einem trockenen, blumigen Weißwein. Das abendliche FORMAT-Treffen in der griechischen Taverne findet während der einwöchigen Prozesspause Mitte August statt - und ist nicht geplant gewesen. Denn offizielle Interviewanfragen werden von Flöttl beziehungsweise seinem Rechtsanwalt Herbert Eichenseder kategorisch abgelehnt.

Überraschend daher, dass sich Flöttl an diesem Abend Zeit nimmt, um eine halbe Stunde ungezwungen mit FORMAT zu plaudern. Seine blonde Begleitung muss währenddessen warten. Ehefrau? Schwester? "Nein, eine gute Freundin aus meiner Studienzeit in Wien", antwortet Flöttl. "Ihr Vater war Künstler. Einige seiner Werke habe ich gekauft." Franz Zadrazil? "Ja." Sind ihnen viele Freunde geblieben? "In Österreich habe ich nur ganz wenige, gute Freunde." Julius Meinl? "Der ist sicher einer davon", sagt Flöttl und ergänzt: "Das können Sie auch ruhig schreiben."

Flöttl allein in Österreich
Flöttl redet schnell, wirkt leicht nervös. Er schwitzt in seinem dunkelblauen Adidas-Trainingsanzug. In dem sportlichen Zweiteiler entspricht Flöttl ganz und gar nicht dem Bild des hartgesottenen Wall-Street-Investors: "Ich jogge gelegentlich im Schwarzenberg oder im Belvedere." Beides liegt nicht weit entfernt vom "Kreta". Dass er auch in der Nähe wohnt, will er nicht bestätigen: "Ich wohne bei meinem Vater, meiner Schwester oder bei Freunden. Das wechselt." Der Ortswechsel ist umso einfacher, als Flöttl "vorläufig alleine" in Österreich ist. Anne Flöttl-Eisenhower fliegt erst am 20. September von New York nach Wien, um als Zeugin vor Gericht auszusagen.

"Keine Interviews", hat ihm sein Anwalt geraten. Seine Rolle in der Bawag-Affäre solle er außerhalb des Gerichtssaals nicht kommentieren. Doch das selbstauferlegte Schweigegelübde fällt ihm offensichtlich schwer. Seine Körpersprache verdeutlicht die Mühe: Während des gesamten Gesprächs sind Kopf und Oberkörper immer auffällig nach vorne gebeugt. Oft will er antworten, beißt sich aber im letzten Moment auf die Zunge. "Nach dem Prozess", wiederholt er dann wie ein Mantra. Er habe bereits viel zu viel gesagt, wird ihm klar. "Erst nach dem Prozess werde ich meine Story erzählen", verspricht Flöttl. Dann steht er auf, nimmt sein fast leeres Weinglas und kehrt zur wartenden Freundin zurück. "Meine Story", murmelt er und bestellt die Rechnung: "Meine Story."

5.9.2007 13:00