Samstag, 25. August 2007

AK für Strafen gegen Lehrlingsmangel: Negative Anreize für Firmen ohne Azubis

  • Pensionsdebatte: Tumpel will 1,7% sozialen Ausgleich
  • Gemeinsames Arbeitsmarkt-Paket von AK und WKÖ

Arbeiterkammerpräsidenten Tumpel kann sich "negative Anreize", wie etwa Strafsanktionen oder Ausgleichstaxen, für Unternehmen vorstellen, die keine Lehrlinge ausbilden. Es sei immer schon seine Position gewesen, dass so etwas komme müsse, wenn die Ausbildung von Lehrlingen freiwillig nicht möglich sei, sagte Tumpel im Ö1-"Journal zu Gast".

In der Pensionsdebatte forderte er neben den geplanten 1,7 Prozent einen "sozialen Ausgleich" bei niedrigen Bezügen. Die Wünsche der Pensionistenvertreter nach einer Pensionserhöhung nach dem Pensionistenpreisindex von 2,1 Prozent unterstützte er nicht.

Gemeinsames Arbeitsmarkt-Paket von AK und WKÖ
Für den Herbst kündigte Tumpel ein gemeinsames Arbeitsmarkt-Paket von AK und Wirtschaftskammer an. Angedacht sind unter anderem Lehrwerkstätten, in denen vor allem Fachkräfte ausgebildet werden sollen. Eine Arbeitsmarktöffnung für Asylwerber kann sich Tumpel nur dann vorstellen, wenn die Asylanträge unter Garantie innerhalb eines Jahres erledigt werden und nur für Bereiche, "wo Platz ist".

Von der Regierung forderte er raschere und konsequentere Maßnahmen bei der vorschulischen Bildung. Das geplante verpflichtende Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten ist dem AK-Präsident offenbar zu wenig. Er bekräftigte zudem den AK-Wunsch nach mehr Wahlmöglichkeiten beim Kindergeld: "Hier muss zugelegt werden." Der AK-Präsident erklärte außerdem, für eine weitere Funktionsperiode zur Verfügung zu stehen.

In der BAWAG-Causa ist sich Tumpel keiner Schuld bewusst. Sein Verhalten als Aufsichtsratspräsident der Bank sei richtig und korrekt gewesen, so Tumpel, der 1995 die Wiederaufnahme der Karibik- Geschäfte mit Wolfgang Flöttl genehmigt hat. Wenn der Vorstand die Absicherungsmaßnahmen eingehalten hätte, wäre es nicht zu den Verlusten gekommen, glaubt Tumpel, der im BAWAG-Prozess als Zeuge geladen ist.

Die Wirtschaft lehnt die von Tumpel geäußerten Pläne zur Einführung einer Strafe für Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, vehement ab. Michael Landertshammer, Leiter der bildungspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer, gibt zu bedenken, "dass Anreize mehr nützen als drohend die Strafkeule zu schwingen." Zudem warnt er vor einer Panikmache in Sachen Lehrstellen, "denn wie die aktuellen AMS- Zahlen zeigen, ist die Lehrstellenlücke gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres kleiner geworden."

25.8.2007 14:13