Montag, 27. August 2007

Schuldnern drohen hohe Zinsanstiege: FORMAT über die gefährliche Fixzins-Falle

  • Bei vielen Schuldnern laufen Fixzinsbindungen aus
  • Nachverhandeln lohnt sich - Die besten Tipps!

"Die Flut an Beschwerden über massive Zinsanhebungen reißt
nicht ab", sagt Christian Prantner, Kreditspezialist der AK Wien im aktuellen FORMAT. Bei vielen Schuldnern laufen derzeit einjährige Fixzinsbindungen aus. Kräftige Zinsanstiege sind die Folge. Nachverhandeln lohnt sich.

Angelika K. fiel aus allen Wolken. Ihre Hausbank teilte der Wienerin knapp, aber unmissverständlich mit, dass sich die Zinsen für ihren im März 2005 mit einjähriger Fixzinsbindung abgeschlossenen Hypothekarkredit von 3,885 Prozent schon wieder, und zwar auf aktuell 5,46 Prozent erhöhen. Die monatliche Rate schnalzte so von 350 Euro auf 510 Euro in die Höhe. Ihre gesamte Kreditbelastung von ursprünglichen 105.000 Euro wird sich so um weitere 34.600 Euro verteuern.

Ähnlich unangenehme Post wird Schuldnern derzeit laufend zugestellt. "Die Flut an Beschwerden über massive Zinsanhebungen reißt nicht ab", berichtet Christian Prantner, Kreditexperte der Arbeiterkammer Wien. Der Grund: Bei vielen Kreditnehmern laufen kurzfristige Fixzinsvereinbarungen für ihren Wohn-oder Hypothekarkredit aus. Die Vorgangsweise der Banken ist zwar nicht neu, der kräftige Anstieg der Kreditzinsen aber sehr wohl. Erstens laufen die im Vertrauen auf ihren Bankberater abgeschlossenen niedrigen Lockkonditionen nach einem Jahr automatisch aus. Zweitens hat die Europäische Zentralbank seit Ende 2005 den Leitzins achtmal angehoben, was die Raten zusätzlich in die Höhe treibt. Kreditnehmer mit kurzen Zinsbindungen sehen nun schwarz, müssen manche doch im Extremfall um mehr als 40 Prozent höhere Kreditraten zahlen.

Wer in der Kreditfalle sitzt, sollte unbedingt nachverhandeln. Dazu raten mittlerweile nicht nur Konsumentenschützer, sondern auch manche Banken. "Die Kunden sollen mit uns Kontakt aufnehmen, um so eventuell neue Konditionen ausverhandeln zu können", erklärt Peter Hödl, Kreditchef der Bawag. Weniger Spielraum sieht dagegen die BA-CA. Christoph Sperk, Produktmanager für Finanzierung der BA-CA: "Wir haben den Anschlusszins nach der Fixzinsperiode mit unseren Kunden ohnehin schon von Anfang an ausverhandelt." Auch wenn sich Ihre Bank anfangs auf stur stellt, sollten Sie sich nicht einschüchtern lassen - einen Versuch ist es allemal wert.

Eine gute Möglichkeit, die eigene Schuldenlast zu minimieren, ist, die Gewinnspanne des Kreditgebers auf ein Minimum zu reduzieren. Im Schnitt verlangen die Banken einen Zinsaufschlag zwischen ein und zwei Prozent der Kreditsumme. AK-Konsumentenschützer Prantner: "Wer die Bank auf 0,875 Prozent drückt, hat gut verhandelt." Allerdings ist es sinnvoll, die Spanne vor Abschluss zu drücken, im Nachhinein ist es deutlich schwieriger.

Langfristig erhebliches Sparpotenzial bietet auch die Taktik, eine möglichst lange Fixzinsbindung einzugehen. Volksbank-Wien-Vertriebsleiter Bernhard Bregesbauer: "Schuldner sollten sich jetzt die immer noch relativ niedrigen Zinsen bei längeren Laufzeiten sichern." So zahlt man bei der Volksbank Wien bei einem Zinssatz von 5,25 Prozent auf zehn Jahre gleich viel wie für einen variablen Zinssatz für ein Jahr.

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27.8.2007 15:10