23.8.2007 14:45

Historischer Sieg: Deutschland gewann trotz
elf Ausfällen im Wembley-Stadion mit 2:1!

  • Katzenjammer in Italien nach 1:3 gegen die Ungarn

Die englische Fußball-Nationalmannschaft hat das erste "große Duell" im neuen Wembley-Stadion mit Deutschland 1:2 (1:2) verloren. Während der zuletzt bei Arsenal unsicher gewesene DFB-Teamgoalie Jens Lehmann diesmal eine fehlerlose Leistung ablieferte, patzte sein Gegenüber Paul Robinson beim Ausgleichstreffer der Deutschen durch Kevin Kuranyi (26.). Weltmeister Italien steht nach der 1:3-Niederlage in Ungarn hart unter Beschuss.

Trotz des Ausfalls von gleich elf Stammspielern blieb die Elf von Joachim Löw, wie schon im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion 2001, damals mit 1:0, erfolgreich und ist damit weiterhin seit 32 Jahren auf englischem Boden ungeschlagen. "Im Wembley zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes", freute sich Löw. Im Mittelpunkt der Partie stand Deutschlands Debütant Christian Pander.

Zu Beginn war der 23-jährige Schalker den auf seiner Seite spielenden David Beckham und Micah Richards nicht gewachsen und verlor auch vor dem Gegentor von Frank Lampard (9.) den entscheidenden Zweikampf. Mit dem Siegtreffer (40.) ließ er aber jegliche Kritik verstummen. "Das Tor hat er klasse gemacht, aus dem Stand in den Winkel getroffen. Dadurch hat er sich selbst wieder ins Spiel zurückgebracht", kamen von Löw lobende Worte. Der Torschütze selbst meinte: "Ich habe einfach versucht draufzuhauen, es war ein Supergefühl. Hier 2:1 zu gewinnen, war einfach toll."

Löw war mit dem Gezeigten sehr zufrieden. "Es ist wichtig zu sehen, dass wir auch mit Veränderungen und einem anderen System bestehen können. Ich weiß den Sieg einzuordnen", betonte der DFB-Erfolgscoach. Das Ergebnis bei diesen Testspielen sei nicht das Wichtigste. "Wichtiger ist die EM-Qualifikation und die Entwicklung der Mannschaft und der einzelnen Spieler."

Im Lager der ebenfalls ersatzgeschwächt angetretenen Engländer wollte Coach Steve McClaren Goalie Robinson, der vor dem 2:1 eine Schneider-Flanke vor die Füße von Kuranyi abklatschen ließ, nicht als alleinigen Sündenbock hinstellen. "Es ist überraschend, so ein Tor zu bekommen", kam aber doch auch Kritik vom Teamchef. McClaren hatte Robinson zur Pause durch David James ersetzt, was allerdings bereits vor dem Spiel abgesprochen war.

Mit der Niederlage konnte McClaren leben. "Ich glaube, es war ein ideales Vorbereitungsspiel für uns, für einige Spieler schon die vierte harte Partie innerhalb von zehn Tagen", betonte Englands Coach, der vor allem die Leistung seiner Elf in den ersten 20 Minuten als "exzellent" bezeichnete.

"Hast Du Dich als Lehmann verkleidet?"
Die britische Presse prügelte hingegen auf Tormann Paul Robinson ein, der mit einem groben Fehler die 1:2-Schlappe eingeleitet hatte: "Hast Du Dich als Lehmann verkleidet?", lästerte der "Daily Mirror". Der umstrittene Trainer Steve McClaren erhielt hingegen noch eine Schonfrist.

"Natürlich mache ich mir jetzt Sorgen", gestand der sichtlich zerknirschte Tottenham-Schlussmann, dem in der ersten Hälfte mehrere Fehler unterliefen. Der "Guardian" urteilte drastisch: "Robinson droht der Rauswurf." Die "Sun" nannte die "widerwärtige Niederlage gegen eine Mannschaft, die alle Topstars - die Ballacks, Kloses und Podolskis - zu Hause gelassen hat, eine Demütigung".

Italien-Coach unter Druck
Nach dem schwachen Auftritt in Budapest ist Italiens Coach Roberto Donadoni besonders unter Druck geraten. "Wir haben drei komische Tore eingesteckt. Ansonsten haben wir unseren Rivalen nicht viel Spielraum gelassen", versuchte der seit einem Jahr amtierende Coach die Niederlage hinunterzuspielen. Obwohl Donadoni in den vergangenen Monaten wiederholt für eine Vorverlegung des Meisterschaftsbeginns in Italien plädiert hatte, um über trainierte Spieler zu verfügen, ist sein Appell ignoriert worden.

Die italienischen Medien fällten jedenfalls ein vernichtendes Urteil über die "Squadra Azzurra", in der Kapitän Fabio Cannavaro mit zwei großen "Schnitzern" negativ hervorstach. "Italien, so geht es nicht! Wackelige Beine, leerer Kopf und eine Reihe von Toren der Gegner. Ungarn, eine Mannschaft, die nur Platz fünf in ihrer Gruppe erreicht hat und de facto aus dem Rennen um die EURO 2008 ist, erteilt Italien eine harte Leere", kritisierte die italienische Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

Im wichtigen EURO-2008-Qualifikationsspiel gegen Frankreich am 8. September wird Donadoni zudem auch auf Inter Mailands Abwehrspieler Marco Materazzi verzichten müssen, der aufgrund einer Verletzung im rechten Oberschenkel einige Wochen ausfallen wird. "Donadoni hat einen schweren Hieb erlitten. Weder das Mittelfeld, noch die Abwehr haben gegen Ungarn funktioniert. Jetzt muss Donadoni schauen, wie er in kurzer Zeit eine funktionsfähige Mannschaft aufbauen kann, die das Recht auf die EURO 2008 erhält", urteilte die römische Tageszeitung "La Repubblica".

Ungarns Coach Peter Varhidi, der Mattersburgs Abwehrspieler Csaba Csizmadia in der 73. Minute eintauschte, war nach dem größten Länderspielerfolg seit vielen Jahren sehr erfreut und für die Zukunft positiv gestimmt. "Es war eine fantastische Nacht für mich, das Team und die Fans. Wir glauben an unsere Spieler, sie sind jung und zum Großteil unerfahren, aber sie haben definitiv eine Zukunft." In der EURO-Qualifikations-Gruppe C sind die Ungarn aber nach sieben Spielen mit sechs Punkten nur Fünfter und wohl schon jetzt aus dem Aufstiegsrennen. (apa/red)

23.8.2007 14:45
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