Donnerstag, 23. August 2007

Christoph Schönborn im NEWS-Interview vor Österreich-Visite: "Der Papst tut uns gut"

  • Kardinal spricht ganz persönlich über Benedikt XVI.
  • Überraschendes Lob für Alt-Kanzler Schüssel erteilt

Wiens Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn war mit 4.000 Mitarbeitern im Einsatz, um die Österreich-Visite von Papst Benedikt XVI. Anfang September in Wien, Mariazell und Heiligenkreuz zu organisieren. In der aktuellen Ausgabe von NEWS skizziert Kardinal Schönborn seine ganz persönliche Sicht auf den Papst.

Wiens Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn war mit 4.000 Mitarbeitern im Einsatz, um die Österreich-Visite von Papst Benedikt XVI. Anfang September in Wien, Mariazell und Heiligenkreuz zu organisieren. In der morgen Donnerstag erscheinenden jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS skizziert Kardinal Schönborn seine ganz persönliche Sicht auf den Papst:
„Er hat sich nie gescheut, wie ein Arzt sehr scharfe, präzise Diagnosen zu stellen. Unaufgeregt, nicht marktschreierisch, sondern mit glasklarer Präzision und der Zuwendung eines, der wirklich helfen, Wege der Heilung zeigen will. Es wird spannend, was er zu sagen haben wird. Es wird kein leeres Gewäsch sein.”

Österreichs Verantwortung für Europa, die soziale Aufgabe der Kirche und mehr Mut der Österreicher zur Öffentlichkeit des Glaubens – das alles erwarte man sich vom Papstbesuch. Das es im bisherigen Pontifikat von Benedikt XVI. immer wieder Aufregung gab – die Regensburger Islam-Rede, den Evangelischen das Kirchenrecht abzusprechen – will Kardinal Schönborn nicht überbewerten. Nein, Papst Benedikt XVI. sei kein Provokateur, sondern vielmehr einer, „der die Dinge so sagt, wie er sie sieht, er möchte zum Nachdenken anregen.”

Ungewöhnlich offen der Wiener Kardinal im NEWS-Gespräch auch über die innenpolitische Lage der Republik: „Ich denke, es ist vieles zu sehr kleines Hickhack. Ich hoffe, dass es der Koalition gelingt, eine Gesprächs- und Konfliktkultur zu entwickeln, die es ermöglicht, dass Themen im Vordergrund stehen und nicht allein parteipolitische Interessen, Kanzlerfrage oder tagespolitischer Gewinn.”

Und die wohl gewichtigste Aussage des Kardinals, der auf die Frage, ob er denn längerfristige, vernünftige, sichtbare politische Strategien vermisse: „ Ich darf das jetzt sagen, auch auf die Gefahr hin, dass man mir vorwirft, ich mische mich ein: Ich habe es an Wolfgang Schüssel immer sehr geschätzt, es hat mich sehr beeindruckt, dass man das Gefühl hatte, er hat wirklich langfristige politische Ziele für das Land im Blick und ist nicht bereit, sofort alles auf dem Vierteljahresaltar des Erfolgs zu opfern.”

23.8.2007 13:46