Sonntag, 26. August 2007

"Ungarische Garde" friedlich angelobt: Rechtsextreme Organisation formiert sich

  • Demonstrationen gegen Garde, keine Zwischenfälle
  • Neue Organisation will ihr "Heimatland verteidigen"

Die rechtsextreme paramilitärische Organisation "Ungarische Garde" ist nun offiziell gegründet worden. Die Veranstaltung in Budapest wurde zwar von Protesten begleitet, ist aber ohne Zwischenfälle verlaufen. Rund 3.000 Menschen waren anwesend, als die feierliche Vereidigung der ersten Garde-Mitglieder, hinter der die nicht im Parlament vertretene, rechtsextreme Partei Jobbik (Bewegung für ein besseres Ungarn) steht, stattfand.

Die schwarze Uniformierung der Garde-Mitglieder weckt Assoziationen mit er nationalsozialistischen SS. Zudem sind im Wappen der Garde die rot-weißen "Arpadenstreifen" zu sehen. Dieses alte ungarische Wappenelement war unter anderem in der Fahne der ungarischen Faschisten, der Pfeilkreuzler, verwendet worden.

Rund 1.000 Angehörige der Ungarischen Anti-Faschistischen Liga demonstrierten nahe dem Veranstaltungsort gegen die paramilitärische Einheit, die als Verein registriert ist. Mehrere hundert Polizisten waren im Einsatz. Auch Politiker der sozial-liberalen Regierungsparteien, allen voran der sozialistische Regierungschef Ferenc Gyurcsany, hatte sich sich öffentlich gegen die "Ungarische Garde" gewandt. Auch mehrere internationale und ungarische jüdische Organisationen hatten sich besorgt gezeigt.

56 Garde-Mitglieder angelobt
In Erinnerung an den Aufstand gegen die stalinistische Herrschaft in Ungarn 1956 wurden 56 Garde-Mitglieder angelobt. Jobbik-Vorsitzender Gabor Vona sagte, man rechne mit der Aufnahme von mehreren Tausend weiteren Mitgliedern am 23. Oktober, dem Jahrestag des Aufstandes. Zwei Tausend hätten ihre Bereitschaft bekundet beizutreten. Die "Garde" werde sich nicht in die Tagespolitik einmischen, sondern werde dem globalen Kapitalismus, der die Bürger zu bloßen Konsumenten machen wolle, den Kampf ansagen.

Auch Vondra selbst trat der "Garde" bei. Die Aufnahmeurkunden übergab in der Budaer Burg der frühere Verteidigungsminister Lajos Für, der von 1990 bis 1994 in der ersten Regierung nach dem Kommunismus saß. Die 1956 zum Tode verurteilte Maria Wittner, heute rechtskonservative Oppositionsabgeordnete (Fidesz-Ungarischer Bürgerverband), hielt eine Rede. Kirchenvertreter segneten Fahnen der "Garde".

Laut Gründungsdokument ist die "Ungarische Garde" eine Selbstverteidigungsorganisation, die über den politischen Parteien steht. Ziel ist es demnach, "Gemeinschaften und Gruppen zu sammeln, die bereit sind, das Heimatland zu verteidigen".

(apa/red)

26.8.2007 13:24