Samstag, 25. August 2007

Rufe nach Truppenabzug werden überhört: US-Präsident Bush setzt Irak-Offensive fort

  • Staatschef sieht neue Offensive erst am Anfang
  • Demokraten und Republikaner für raschen Abzug

US-Präsident George W. Bush zeigt sich von hitzigen politischen Debatten über den Truppenabzug aus dem Irak völlig unbeirrt. Unsere neue Initiative fängt gerade erst an", sagte er in seiner wöchentlichen Radio-Ansprache. Gemeint hat er damit die im Februar veranlasste Truppenaufstockung von 130.000 auf 160.000 Soldaten.

"Wir können nicht erwarten, dass unsere neue Strategie über Nacht Erfolg bringt", sagte Bush. Er betonte, die Entsendung zusätzlicher Soldaten zeige in dem von Gewalt zerrissenen Land erste Wirkung. So würden seit Jänner jeden Monat im Schnitt 1.500 Rebellen getötet oder gefangengenommen. Er wiederholte seine Überzeugung, ein von den USA unterstützter, demokratischer Irak könne allen Menschen im Nahen Osten Hoffnung geben. Mitarbeiter des Präsidenten sagten der "Washington Post", vor April 2008 werde keine größere Entscheidung getroffen. Sollte dann aber entschieden werden, dass die Truppenpräsenz unvermindert beibehalten wird, müssten die Einsatzzeiten der Soldaten erheblich verlängert werden.

Führende Politiker für raschen Abzug
Führende demokratische und republikanische Politiker verlangen dagegen den schnellstmöglichen Beginn eines Abzugs. Die Forderung des einflussreichen republikanischen Senators John Warner, schon vor Weihnachten 5.000 Mann aus dem Irak abzuziehen, wurde von Kommentatoren als politischer Rückschlag für Bush gewertet. Einen Pressebericht, wonach auch Generalstabschef Peter Pace dem Präsidenten eine Truppenreduzierung empfehlen wolle, wies der General umgehend als "falsch" zurück. "Ich habe meine Empfehlungen weder ausgesprochen noch darüber überhaupt entschieden", widersprach Pace einem Bericht der "Los Angeles Times".

Bericht über Offensive erwartet
Ein Sprecher des Weißen Hauses sieht einen Grund für die hitzige Debatte über die künftige Strategie im Irak in dem bevorstehenden Bericht des US-Oberkommandierenden im Irak, General David Petraeus, über die Ergebnisse der seit Februar vollzogenen Truppenaufstockung. "Es wird in den nächsten Wochen viele Berichte darüber geben, was empfohlen und was nicht empfohlen wird", sagte Gordon Johndroe in Washington. Petraeus und der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, sollen Mitte September vor dem Kongress eine Bilanz ziehen und Empfehlungen abgeben.

Offizier: Truppenreduzierung "riesiger Rückschritt"
Ein ranghoher US-Offizier im Irak warnte, eine Verringerung der Truppen wäre ein "riesiger Rückschritt". Generalmajor Rick Lynch, der eine Division im gefährlichen Süden Bagdads kommandiert, äußerte die Einschätzung, bei einer Verminderung der Truppenstärke würden Stellungen in die Hände von Rebellen zurückfallen, die in opferreichen Kämpfen erobert worden seien.

(apa/red)

25.8.2007 16:44