Donnerstag, 23. August 2007

Deutsche Taliban-Geisel fleht um Hilfe:
'Ich bin in einer sehr schlechten Verfassung'

  • Videobotschaft von gekidnappten Ingenieur Rudolf B.
  • Seine Medikamente reichen nur für weitere 3 Tage!

Von dem vor fünf Wochen in Afghanistan verschleppten deutschen Ingenieur Rudolf B. gibt es ein weiteres Lebenszeichen. Der afghanische Privatsender Tolo TV strahlte ein Video aus, in dem der gesundheitlich angeschlagene 62-Jährige die deutsche Regierung um mehr Bemühungen für seine Freilassung bittet.

"Ich bin in einer sehr schlechten Verfassung", sagt Rudolf B. in der Aufzeichnung auf Deutsch. Seine Medikamente reichten nur noch drei Tage, und die Zeit laufe aus. Die Taliban versuchten, mit der afghanischen Regierung und auch der Botschaft zu verhandeln, aber irgendetwas scheine dabei "schiefzugehen". Ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes sagte, der Krisenstab werte das Video detailliert aus. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern.

Das Video zeigt Rudolf B., wie er auf dem Boden sitzt und sich die Brust hält. Während er spricht, wird er von einem Hustenanfall geschüttelt. Vor ihm auf der Decke liegen einige Papierschachteln, die wie Medikamentenpackungen aussehen.

Der Ingenieur war am 18. Juli gemeinsam mit einem weiteren Deutschen und fünf Afghanen in der Provinz Wardak entführt worden. Die Entführer hatten die zweite deutsche Geisel nach einem Schwächeanfall erschossen. Einen Tag später wurden in der benachbarten Provinz Ghazni aus einem Bus heraus 23 Südkoreaner verschleppt. 19 von ihnen sind noch in der Gewalt der Taliban.

"Ich bitte meine Freunde, meine Familie und meine zwei Söhne, dass sie bei den deutschen Regierungsstellen hier mehr Druck ausüben, um uns hier frei zu bekommen", flehte Rudolf B.. Seine Botschaft überbrachte er zunächst auf Deutsch, dann auf Englisch. Seine Lebensumstände mit den Taliban beschrieb er als sehr schwierig. "Ich lebe mit den Taliban 3.000 Meter hoch in den Bergen", sagt er. "Die Taliban versuchen, mit der afghanischen Regierung zu verhandeln, aber die redet nicht mit den Taliban. Und die Taliban haben versucht, Verbindung mit der Botschaft aufzunehmen, um uns freizulassen. Aber wenn die Zeit vorbei ist, wollen sie uns töten."

Er werde gemeinsam mit den fünf mit ihm zeitgleich entführten Afghanen in Gefangenschaft gehalten, sagte Rudolf B.. Einer der Afghanen wandte sich in dem Video an Präsident Hamid Karzai und bat um den Einsatz der Regierung in Kabul zur Freilassung der Gruppe. "Wir sind Afghanen. Die Taliban sind auch Afghanen. Wir sind sicher, dass es eine Möglichkeit gibt, dass uns die Regierung Karzai freibekommen kann", sagte der Mann.

Die ARD hatte bereits zuvor Kontakt zu der Geisel. Der Entführte habe in einem Telefonat über eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustands geklagt, berichtete der Sender. Zudem hatte er kritisiert, dass die deutsche Botschaft nicht genügend Druck ausübe, um seine Freilassung zu erreichen.

Die deutsche Regierung hat die Forderung der Entführer nach einem Abzug der rund 3.300 Soldaten der Bundeswehr aus dem Land strikt abgelehnt. Für Herbst steht die Entscheidung über eine Verlängerung der Mandate für den Einsatz auf dem Programm.

(apa)

23.8.2007 11:13