Dienstag, 21. August 2007

Delhi "zutiefst besorgt" über Rassismus: Hatz auf Inder in Deutschland schlägt Wellen

  • Indiens Botschafterin fordert besseren Schutz

Nach der Hetzjagd auf eine Gruppe Inder im sächsischen Mügeln hat die Regierung in Neu-Delhi von der deutschen Bundesregierung entschlossenes Handeln zum Schutz seiner Staatsbürger gefordert. Die indische Botschafterin Meera Shankar zeigte sich zutiefst besorgt und wandte sich offiziell an die Bundesregierung. Sie habe "darum gebeten, dass die deutschen Behörden Maßnahmen ergreifen, um dieses Thema anzugehen und künftige Vorfälle dieser Art zu verhindern", sagte ein Sprecher des indischen Außenministeriums. Das Auswärtige Amt in Berlin gab keine Inhalte der Unterredung mit Shankar preis.

Offenbar aus rassistischen Motiven hatten Dutzende Menschen acht Inder quer durch die Kleinstadt Mügeln gejagt. Der Vorfall löste bundesweit einen Sturm der Entrüstung aus. Zugleich entbrannte erneut die Debatte über das Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Zahlreiche Politiker des linken und bürgerlichen Lagers bescheinigten einem Teil der Ostdeutschen eine rassistische Grundeinstellung, Gewaltbereitschaft gegenüber Ausländern oder zumindest fehlende Zivilcourage. Sie verlangten eine schonungslose Aufklärung des Vorfalls. Die sächsische Polizei konnte vorerst keine Ermittlungserfolge vermelden. Sie erhöhte nach eigenen Angaben ihre Präsenz in Mügeln.

"Dieser Gewaltexzess ist unerträglich", sagte der in der Bundesregierung für den Aufbau Ost zuständige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Der SPD-Politiker nannte es nicht hinnehmbar, dass ausländische Mitbürger von einer "großen Menge aufgeheizter Menschen durch die Stadt gejagt werden" und um ihr Leben bangen müssten. Bei der der Aufklärung des Vorfalls dürfe der Eindruck von Verharmlosung oder Verniedlichung nicht aufkommen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) warnte vor einer Unterschätzung der rechten Szene. Er sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Die Zahl der ausländischen Mitbürger ist bei uns deutlich geringer und trotzdem ist die Zahl der Aversionsakte sehr hoch." Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), konstatierte: "Menschen mit dunkler Hautfarbe haben in Ostdeutschland ein um ein vielfach höheres Risiko Opfer eines Übergriffs zu werden als in Westdeutschland."

Der Vorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen!", Uwe Karsten Heye, sah sich in seiner Einstellung bestätigt, dass Ausländer bestimmte Regionen Ostdeutschlands meiden sollten. Es gebe Gebiete, "in die man sich mit dunkler Hautfarbe besser nicht hinbewegt, weil die Gefährdung sehr groß ist", sagte der ehemalige Sprecher von Ex-Kanzler Gerhard Schröder der "Mitteldeutschen Zeitung". Heye hatte vor der Fußball-WM 2006 die Debatte über "No-go-areas" in den neuen Ländern entfacht.

Unionsfraktionschef Volker Kauder beklagte mangelnde Zivilcourage der Einwohner Mügelns. Ihn stimme es sehr traurig, dass niemand den Indern geholfen habe, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Kritisiert wurde der Bürgermeister von Mügeln, Gotthard Deuse (FDP), für seine Aussage, die Täter seien von außerhalb gekommen. "So können wir nicht vorgehen", sagte Tiefensee.

Erst ein Großaufgebot der Polizei hatte die Jagd gestoppt. Unmittelbar danach waren zwei 21 und 23 Jahre alte Männer aus der Region festgenommen worden. Sie befänden sich wieder auf freiem Fuß, der Tatverdacht bestehe aber fort, sagte eine Polizeisprecherin.
(APA/red)

21.8.2007 17:37