Donnerstag, 23. August 2007

Prozess-Geständisse in der "Foto-Affäre":
Strache gibt Kontakte zu Neonazi-Gruppe zu

  • Neonazi-Organisation 1994 in Deutschland verboten
  • "Spielkameraden" des FPÖ-Obmanns nun identifiziert

FPÖ-Chef Strache hat im Zuge der Foto-Affäre Kontakte zur "Wiking Jugend" zugegeben. Er sei aber kein Mitglied der Organisation gewesen, sagte Strache nach einer ersten Verhandlungsrunde im Prozess gegen eine Tageszeitung. Seit 1990 will er mit der "Wiking Jugend" nichts mehr zu tun gehabt haben. Die neonazistische Jugendorganisation wurde in Deutschland 1994 verboten.

Der FPÖ-Chef gab zu, Kontakt zur "Wiking Jugend" gehabt zu haben. Er sei allerdings mit keiner verbotenen Organisation in Berührung gekommen. Er habe auch keine strafbaren Handlungen gesetzt. Seine in Medien kolportierte angebliche Verhaftung an der innerdeutschen Grenze 1989 stellte Strache als Anhaltung zwecks Identifizierung dar.

Die Tageszeitung "Österreich" hatte ein Foto publiziert, auf dem Strache im Kreise der "Wiking Jugend" abgebildet sein soll. Strache erklärte dazu, zu Silvester 1989 an der deutsch-deutschen Grenze an einer Aktion teilgenommen zu haben, bei der auch Mitglieder der Organisation anwesend gewesen seien. Ziel sei es gewesen, DDR-Bürgern "Care-Pakete" über die Grenze zu reichen. Danach will Strache mit der "Wiking Jugend" nichts weiter zu tun gehabt haben.

Im Gegensatz dazu sprach der im Zuge der Foto-Affäre aus der Partei ausgetretene Ewald Stadler vor Gericht von einer "skurrilen Erklärung" Straches bei jener Parteivorstandssitzung im Jänner 2007, bei der die Jugendfotos besprochen wurden. Demnach habe Strache erklärt, nicht verhaftet, sondern festgenommen worden zu sein. Weiters habe Strache damals behauptet, nach Deutschland gefahren zu sein, um "Brotkörbe über die Grenze zu werfen".

Zudem wurde jene Männer identifiziert, die der Öffentlichkeit aus verpixelten Fotos bekannt sind. Stadler legte insgesamt sieben Bilder vor, auf denen Personen u.a. mit Gummiknüppeln und Gewehren in militärischer Uniform posieren. Bei den Waffen soll es sich laut einem "Spielkameraden" um Pumpguns zum Gotcha-Spielen handeln. Das Verfahren wird im September fortgesetzt.

Reaktionen der FPÖ
Indes erklärte die FPÖ "es kann sein, es kann aber auch nicht sein" - Man will sich also nicht darauf festlegen, ob auf dem jüngst aufgetauchten Foto von angeblichen Mitgliedern der verbotenen "Wiking-Jugend" ihr Parteichef Heinz-Christian Strache zu sehen ist.

FPÖ-Chef defensiv
Strache habe durch die Beziehung zu seiner Verlobten, der Tochter von NDP-Gründer Norbert Burger, "ein deutsch-nationales Umfeld kennengelernt" und in seiner Jugendzeit gemeinsam mit Burger diverse Veranstaltungen und Vorträge besucht. In diesem Zusammenhang habe er "oberflächlichen Kontakt zu diversen Vereinen, welche zum damaligen Zeitpunkt demokratisch legal genehmigt waren" sowie "lose Kontakte zu Personen, welche zum damaligen Zeitpunkt völlig unbescholtene Bürger waren und die zum Teil zu wesentlich späteren Zeitpunkten, nämlich mehrere Jahre später, eventuell verurteilt wurden" gehabt. Strache selbst habe "zu den Zeitpunkten, wo Vereine eventuell aufgelöst oder Personen eventuell verurteilt wurden, schon jahrelang keinen Kontakt mehr zu selbigen" gehabt.

(apa/red)

23.8.2007 16:57