Donnerstag, 16. August 2007

Französische Fische sind ungenießbar: Zu viele Schadstoffe in der Rhone als Ursache

  • Fisch-Verzehr kann zu Unfruchtbarkeit & Krebs führen
  • Allerdings: Badespaß im Fluss nach wie vor ungetrübt

Wer im Rhone-Tal von den Weinbergen auf den ruhigen Fluss schaut, wird es kaum ahnen: Während jedes französische Restaurant den berühmten Wein "Cotes du Rhone" anbietet, werden die Fische der Rhone erst einmal von der Speisekarte gestrichen. Vor einigen Tagen haben die Behörden ein Essverbot für Fische aus der Rhone auf einen Flussabschnitt von 300 Kilometer ausgeweitet.

Das gilt auch für abzweigende Kanäle des Flusses. "Dies ist eine der schlimmsten Wasserverschmutzungen in Frankreich", sagt der Vizepräsident des französischen Natur- und Umweltverbands, Alain Chabrolle.

Jahrzehnte lange Vergiftung
Eine Laboranalyse hat ergeben, dass die Rhone-Fische über Jahrzehnte hochgiftige Schadstoffe angereichert haben, sogenannte polychlorierte Biphenyle (PCB). Diese Chlorverbindungen werden von den Vereinten Nationen zu den zwölf besonders gefährlichen Schadstoffgruppen, dem "dreckigen Dutzend", gezählt. Wenn Menschen sie mit der Nahrung aufnehmen, kann das auf Dauer zu Unfruchtbarkeit, Entwicklungsstörungen und möglicherweise sogar Krebs führen.

Ohne Gefahr: Baden in der Rhone
In den 80er Jahren wurde PCB vor allem in Transformatoren und als Weichmacher für Kunststoffe benutzt. Die PCB-Vermarktung wurde 1987 verboten. Dennoch dürfen die Verbindungen in Transformatoren, Kondensatoren und Batterien in Frankreich noch bis 2010 im Umlauf sein. Baden und Wassersport sind in der Rhone weiterhin erlaubt, denn im Wasser selbst ist die Menge der PCB, die sich überwiegend in Ablagerungen auf dem Grund des Flusses anhäufen, äußerst gering.

Aber: Fische voll von Schadstoffen
Anders ist es bei den Lebewesen: Die äußerst stabilen Schadstoffmoleküle, die Fabriken damals legal in die Rhone leiteten, sind über die Nahrungskette ins Fettgewebe der Fische gelangt. Wenn diese PCB-haltigen Fische gefressen werden, reichen sie die Schadstoffe weiter. So erhöht sich der Vergiftungsgrad der Fische auch nach 20 Jahren noch, obwohl das Wasser selbst harmlos ist. Im Juni schätzten die Behörden, dass der PCB-Wert in einigen Fischen siebenmal über dem von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Schwellenwert liegt.

Umweltverbände klagten bereits
Nachdem mehrere Umweltverbände Klage gegen unbekannt eingereicht hatten, gab die Region Rhone-Alpes nun bei den Umweltämtern und der französischen Agentur für Lebensmittelhygiene Untersuchungen in Auftrag. Es gebe zahlreiche Ursachen, sie lägen außerdem lange zurück und seien nur schwer festzustellen, heißt es in dem offiziellen Vorbericht. Das Rhone-Gebiet mit der Hauptstadt Lyon ist ein wichtiges Industriezentrum. (APA/red)

16.8.2007 14:10