Freitag, 17. August 2007

Alzheimer-Nervenzellen reagieren wie bei Krebs: Erkrankte Partien verdoppeln sich

  • Absterben von Gehirnzellen eventuell bald bremsbar?

Von der Alzheimer-Krankheit befallene Nervenzellen weisen eine ähnliche Störung wie Krebszellen auf: Obwohl sich erwachsene Nervenzellen eigentlich nicht teilen, verdoppeln viele Zellen von Alzheimer-Patienten ihr genetisches Erbmaterial. Wie Hirnforscher der Universität Leipzig herausfanden, weisen bei Alzheimer-Patienten rund 20 Prozent der Nervenzellen eine solche Veränderung auf. In einem gesunden Gehirn haben nur etwa ein Prozent der Zellen eine doppelte DNA.

"Die molekularen Grundlagen von Alzheimer und Tumorerkrankungen sind offensichtlich gleich", erklärt Professor Thomas Arendt. Aber während Tumorzellen sich ungebremst vermehrten, führe die Verdoppelung der DNA langfristig zum Tod der Nervenzelle. Die Entdeckung könnte sich auf die Behandlung degenerativer Hirnerkrankungen auswirken: Denn ebenso wie Tumore mit einer Gentherapie behandelt werden können, wäre dies auch bei Alzheimer denkbar, um das Absterben von Hirnzellen zu bremsen.

Forschung noch in den Kinderschuhen
Wann und warum die Zellveränderungen beginnen, ist noch nicht bekannt. Die Forscher gehen aber davon aus, dass es sich um einen langsamen Prozess handelt. Ließe sich eine solche Veränderung frühzeitig feststellen, wäre vermutlich auch eine Prognose möglich, wie hoch das Alzheimer-Risiko eines Patienten ist. Voraussetzung dafür aber ist eine gesicherte Diagnose der DNA-Vermehrung. (APA/red)

17.8.2007 12:27