Freitag, 17. August 2007

Krebs-Schutz nach Transplantationen: Jetzt soll Antikörper-Therapie das Risiko senken

  • Herz-Transplantation: 20 Mal erhöhtes Krebs-Risiko
  • Studie: Antikörper schützten Körper ein ganzes Jahr

Vor einer Organtransplantation sollten die Patienten mit Antikörper-Präparaten behandelt werden, um die spätere Entwicklung von Lymphdrüsenkrebs zu verhindern. Das empfehlen Experten des Universitätsklinikums Heidelberg als Ergebnis einer neuen Studie. Transplantierte Patienten haben demnach ein besonders hohes Risiko, an einem Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken. Verursacht wird diese aggressive Tumorform, an der die Hälfte der Betroffenen sterben, von dem Epstein-Barr-Virus, das mit dem Spenderorgan auf den Empfänger übertragen werden kann.

Bei gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem verläuft die Infektion meist ohne ernsthafte Beschwerden. Bei transplantierten Menschen aber muss die körpereigene Abwehr mit Medikamenten unterdrückt werden, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Die Folge: Weiße Blutzellen wuchern unkontrolliert, und es entsteht ein Non-Hodgkin-Lymphom. Nierenempfänger haben den Wissenschaftern zufolge ein zehnfach erhöhtes Lymphomrisiko, Herzempfänger sind im Vergleich zur Normalbevölkerung sogar 20 Mal so stark gefährdet. Besonders kritisch ist das erste Jahr nach der Verpflanzung.

Sogar Schutz vor Epstein-Barr-Virus
Die Heidelberger Forscher gingen nun anhand der Daten von 44.000 Nierentransplantierten der Frage nach, ob eine vorbeugende Therapie mit Antikörpern oder anderen Medikamenten gegen das so genannte Cytomegalie-Virus möglicherweise auch das Epstein-Barr-Virus unterdrücken und damit den Krebs verhindern kann. Und tatsächlich trat bei mehr als 2.000 Patienten, die Antikörper-Präparate erhalten hatten, im ersten Jahr nach der Transplantation kein einziges Lymphom auf. Bei anderen Formen von Medikamenten gegen das Cytomegalie-Virus konnte ein derart positiver Effekt dagegen nicht festgestellt werden.

Noch keine Langzeitwirkung
Allerdings verschwindet die Schutzwirkung nach einem Jahr wieder: Im zweiten bis sechsten Jahr nach der Organverpflanzung konnten den Angaben zufolge Non-Hodgkin-Lymphome nicht mehr verhindert werden. Daher könnte es sinnvoll sein, den Patienten nach einem Jahr eine neue Antikörper-Dosis zu verabreichen, vermuten die Ärzte. Dies wollen sei nun in einer weiteren Langzeitstudie überprüfen. (APA/red)

17.8.2007 12:34