Der Schein des Medien-Zaren: Wirkliches Interesse hat Murdoch nur an Banknoten
- Krönte sich zuletzt mit dem "Wall Street Journal"

Keith Rupert Murdoch ist am Ziel. Dem Hauptaktionär und leitenden Vorstand der News Corporation, einem der weltgrößten Medienkonzerne, ist es gelungen, seinen Kronjuwelen um fünf Milliarden Dollar den fehlenden prestigeträchtigen Reichsapfel hinzuzufügen: das "Wall Street Journal" - weltweit Pflichtlektüre für Wirtschaftsbosse, Investmentprofis und Politfunktionäre.
Doch während sich die Berichterstattung über die Transaktion auf das bekannte Nobelblatt und seine möglicherweise gefährdete redaktionelle Freiheit konzentrierte, ging es dem Australier um erheblich Lukrativeres. Denn weniger schillernd, aber dafür umso profitabler ist der Finanz- und Börseninformationsdienst Dow Jones Newswires, der ebenfalls zur Verlagsmutter Dow Jones & Company gehört. Denn hier rollt der Rubel, der die wasserblauen Augen von Murdoch zum Strahlen bringt.
Der 76-Jährige hält sich an die Gesetze des Marktes, und der diktiert Kommerzialisierung und Konservatismus und nicht journalistische Ethik und Integrität. "Murdoch ist ein globaler Arbeiter mit Multimedia-Interessen und einer politischen Agenda. Seine Medienmacht rückt auch die Konkurrenz nach rechts", meint US-Medienexperte Schechter. Seine Strategie heiße Polarisierung und Propaganda und nicht Journalismus, analysiert Murdoch-Kenner Schechter den umtriebigen Milliardär. So soll die über eine Million Abonnenten zählende Online-version des "Wall Street Journal" frei zugänglich werden. Für den knallharten Kalkulierer zählen nicht elitäre User, sondern höhere Werbeeinnahmen. Der Dow-Jones-Deal bestätigte Murdochs Credo, dass Geld keine heiligen Kühe kennt und jeder seinen Preis hat. So kapitulierte das Gewissen der Gründerfamilie Bancroft, die sich gern als Hüter der redaktionellen Freiheit feiern ließ, vor dem Fünf-Milliarden-Dollar-Scheck.
Doch Murdoch hat noch nicht genug, denn kaum ist sein Ziel erreicht, hat er schon wieder ein neues. Sein nächster Übernahmekandidat, so die Gerüchte, soll die große Lady der US-Medienlandschaft sein: "The New York Times", das Leib- und-Magen-Blatt der Ostküsten-Elite.
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