Sonntag, 19. August 2007

FORMAT - "Das Papst Business": "Heiliger Besuch" zieht die Massen und das Geld an

  • Wer organisiert, verdient mit und sponsert das Event?
  • Kirchliches Spektakel in Mariazell & Heiligenkreuz

Der Besuch von Benedikt XVI. im September wird die Massen anziehen. Denn der Papst versteht es, unter seinen Schäfchen Vorfreude zu verbreiten. Als Kardinal Christoph Schönborn zu Mariä Himmelfahrt vor rund 3.000 Gläubigen die große Abschlussmesse der Jugendwallfahrtstage las, war es bereits Benedikt XVI., der die Stimmung auf den Höhepunkt brachte. Der Heilige Vater hat sich während der Messe live via Großbildschirm aus seiner Sommerresidenz Castelgandolfo zugeschaltet und mit den Jugendlichen gebetet. Der dreitägige Event mit den Jugendlichen war die perfekte Generalprobe für das kirchliche Megaspektakel, das einen Marienfeiertag später, am 8. September (Mariä Geburt), über die Bühne geht.

Der Event bot nicht nur für die Geistlichen und Organisatoren einen ersten Vorgeschmack auf das Kommende, sondern auch für die Geschäftsleute: "Die Nachfrage nach Devotionalien hat während der Jugendwallfahrt schon merklich angezogen, aber der große Ansturm wird erst kommen", ist sich Franz Sorger, Devotionalienhändler in Mariazell, sicher.

Aber nicht nur für die Händler und Wirtsleute im kleinen Wallfahrtsort dürfte sich der Besuch Benedikts XVI. als segensreich erweisen: Wo immer der Papst auftritt, zieht er die Massen an. Rund 40.000 Gläubige werden dem Heiligen Vater am Stephansplatz zujubeln, ebenso viele werden in Mariazell sein, und auch in Heiligenkreuz wird mit einem Ansturm der Pilger gerechnet. Insgesamt kann der Heilige Vater, wenn er seinen Österreich-Besuch absolviert, auf die Aufmerksamkeit von rund 5,6 Millionen Gläubigen bauen - und Millionen in aller Welt werden seinen Besuch vom Bildschirm aus mitverfolgen. Nikolaus Hulatsch, Mariazeller Tourismusmanager: "Der Werbewert geht in die Milliarden."

Der Mix aus spirituellem Megaereignis und medialer Großveranstaltung dürfte die Kassen jedenfalls kräftig klingen lassen. In Wien hofft die Wirtschaft für die zwei Tage, in denen Benedikt XVI. in der Bundeshauptstadt weilt, auf Einnahmen aus Übernachtungen und Souvenirverkäufen in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Aber nicht nur in der Tourismusbranche peppt der Papstbesuch die Umsätze auf, auch Transport-, Sicherheits- und Textilunternehmen, Devotionalienhändler und Ausrüster für Großevents profitieren.

Der Hauptort Mariazell selbst ist wie aus dem Ei gepellt. Für die Renovierung von 45 Häuserfassaden und Dächern wurden insgesamt 900.000 Euro investiert. Das Herzstück des Ortes, die Basilika, ist nach der kompletten Restaurierung für die 850-Jahr-Feier bereits jetzt ein Publikumsmagnet. "Bislang wurden für die Basilika 29 Millionen Euro an Spenden aufgewendet", erklärt Koordinator Christian Konrad, der 1995 mit Pater Schauer das Kuratorium "Mariazell braucht Ihre Hilfe!" ins Leben gerufen hat.

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19.8.2007 07:34