Japans Börse in Nöten: Hypothekenkrise bringt Nikkei größten Tagesverlust seit 9/11
- Leitindex erreicht tiefsten Stand seit einem Jahr
- Anziehener Yen-Kurs bedroht Export-Wirtschaft
·US-Immobilien-Krise reißt die Börsen mit
Billionen-Verluste breiten sich über den Globus aus
·Milliarden-Spritzen der Notenbanken
EU & Berlin sehen keine Gefahr für Konjunktur
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Die Talfahrt an den Aktienbörsen hat sich in Asien fortgesetzt und wird den Märkten dort wohl die höchsten Wochenverluste seit annähernd einem Jahrzehnt bescheren. Der Leitindex Nikkei in Tokio verbuchte mit einem Abschlag von 5,4 Prozent den größten Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, in deren Folge die Aktienmärkte weltweit einbrachen.
Auch die Bereitstellung zusätzlicher Milliarden der japanischen Zentralbank zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen der Geschäftsbanken hat den zum Handelsschluss beschleunigten Ausverkauf nicht bremsen können.
Händler sagten, die größte Sorge sei nun, dass die Konjunktur in Asien wie die der USA von den Folgen der Hypothekenkrise erfasst werde und dadurch das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig beschädigt werde. "Wenn wir greifbare Anzeichen dafür sehen, fürchte ich, werden wir weltweit den Anfang eines Bärenmarktes sehen", sagte Lim Chang Gue, Fondsmanager bei Samsung Investement Trust Management in Südkorea. Von einem Bärenmarkt, also einem anhaltenden Abschwung, wird ab einem Verlust von 20 Prozent gesprochen.
Anleger würden ihr Geld vom unsicheren Aktienmarkt abziehen und in festverzinsliche Anleihen anlegen, so die Händler. Sie äußerten die Befürchtung, dass ausländische Investoren gezwungen sein könnten, ihre Aktienbestände in Tokio aufzulösen, um Verluste im Zusammenhang mit der Kreditkrise in den USA zu decken. Zudem belaste ein anziehender Yen-Kurs die auf den Export ausgerichtete Industrie in Japan.
Die japanische Notenbank hat eine erneute Geldspritze für den durch die US-Immobilienkrise gebeutelten Markt angekündigt. Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, würden weitere 1,2 Billionen Yen (7,83 Mrd. Euro) bereitgestellt, teilte die Bank von Japan am Freitag in Tokio mit. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank hatten in den vergangenen Tagen große Summen bereitgestellt, um den Kreditmarkt zu stützen. In den japanischen Geldmarkt wurden seit Donnerstag jetzt 1,6 Billionen Yen gepumpt. Der Schritt sei eine Reaktion auf eine wieder ansteigende Nachfrage der Banken nach frischem Geld, hieß es.
Der MSCI-Index für die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum - ohne Japan - gab 2,75 Prozent nach. In der Wochenbilanz verlor der Index damit mehr als zehn Prozent und fuhr damit den größten Verlust seit Januar 1998 ein. In Tokio verlor der Nikkei 5,42 Prozent auf 15.273 Punkte. Das war der niedrigste Schlussstand seit 7. August 2006 und der größte Tagesverlust seit dem 12. September 2001. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 5,55 Prozent schwächer bei 1.480 Punkten - der niedrigste Stand seit Juli 2006. Neben den Sorgen rund um die Hypothekenkrise wirkte sich Händlern zufolge hier vor allem auch der starke Anstieg der Landeswährung Yen aus. Exportwerte wie Canon, Toyota Motor oder Sony gaben kräftig nach - allein Toyota verlor 7,2 Prozent. Finanzwerte erhielten etwas Auftrieb durch die Erholung im späten Handel an den US-Börsen vom Donnerstag.
An den Aktienmärkten in Südkorea, Hongkong Taiwan und Singapurgaben die Kurse ebenfalls deutlich nach.
Auch die Aktien an der deutschen Börse dürften am Freitag erneut ins Rutschen kommen. Banken und Broker berechneten den Dax eine halbe Stunde vor der Eröffnung 0,4 Prozent niedriger bei 7.240 Punkten. Am Donnerstag hatte der Index mit einem Abschlag von 2,4 Prozent geschlossen.
Vor den herben Verlusten in Asien hatte die Aufwärtsbewegung im US-Handel noch Hoffnungen auf eine Stabilisierung der deutschen Kurse geweckt. Die US-Börsen hatten nach einem turbulenten Handel und weiteren schlechten Nachrichten vom Hypothekenmarkt zu einer späten Rally angesetzt und Boden gut gemacht. Händler sagten, Spekulationen über eine Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) waren ein Grund für den plötzlichen Stimmungswandel. Zudem gab es Marktgerüchte, wonach der auch von der Krise in Mitleidenschaft gezogene Gläubiger Bear Stearns Finanzhilfen von einer chinesischen Bank erhalten soll. Vor allem Finanzwerte zogen den Markt kurz vor Handelsschluss nach oben.
Der Dow-Jones-Index schloss 0,12 Prozent im Minus bei 12.845 Punkten. Im Handelsverlauf war er bis auf 12.517 Zähler gesunken - zeitweise notierte er um mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordhoch vom Juli. Der S&P-500 gewann 0,32 Prozent auf 1.411 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq notierte um 0,32 Prozent tiefer bei 2.451 Stellen. Zunehmend beunruhigt von neuen Negativschlagzeilen zum US-Hypothekenmarkt lösten Anleger weiter Yen-Spekulationsgeschäfte auf. Die japanische Währung legte daher wie bereits am Vortag zu: Der Dollar kostete damit 112,50 Yen. Zuvor war die US-Währung auf den tiefsten Stand seit knapp 15 Monaten gesunken, nämlich bis auf gut 112 Yen.
(apa/red)

