Donnerstag, 16. August 2007

Konstante Ergebnisse: OMV-Halbjahres- ergebnisse ungefähr auf Vorjahresniveau

  • Betriebsergebnis Clean EBIT sank im Halbjahr um 8%
  • Nettogewinn wuchs um 3 % auf 743 Millionen Euro

Wegen Absatzrückgängen, Produktionsstillständen und Währungsschwankungen hat die österreichische OMV im 1. Halbjahr 2007 die Ergebnisse im wesentlichen nur halten können. Das operative Ergebnis (EBIT) lag mit 1,064 Mrd. Euro um 8 Prozent unter Vorjahr, dafür stieg der Nettogewinn wegen eines besseren Finanzergebnisses um 3 Prozent auf 743 Mio. Euro.

Der Umsatz wuchs um 3 Prozent auf 9,176 Mrd. Euro, der Mitarbeiterstand sank - ebenfalls samt rumänischer Petrom - markant um fast ein Fünftel auf 37.910. Fürs restliche Jahr sieht die OMV ein noch stärker herausforderndes Umfeld, ob der Gewinn im 2. Halbjahr steigen kann, sei von Ölpreis und Dollarkurs abhängig.

MOL weiter auf der Einkaufsliste
An der ungarischen MOL, mit der die OMV zusammengehen will, könnte man weitere Aktien zukaufen, sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer. "Die OMV schließt nicht aus, auch in Zukunft kleinere Mengen Aktien zu erwerben, wenn der MOL-Aktienpreis dafür vorteilhaft ist." Noch im Juni hatte die OMV auf 18,9 Prozent aufgestockt, weitere Zukäufe werde man nur quartalsweise berichten. Nun sehe man sich "für die nächste Konsolidierungswelle in Mitteleuropa gut aufgestellt", auch wenn dies zwei, drei Jahre dauern könne. Jetzt wolle man "Gespräche in Richtung Zusammenlegung" OMV-MOL führen. Die OMV setzte 2006 samt Petrom 19 Mrd. Euro um, MOL 11,5 Mrd. Euro.

Ob sich die OMV an der möglicherweise im Herbst bevorstehenden Privatisierung des serbischen Erdölkonzern NIS (Naftna industrija Srbije) beteiligt, sei noch nicht entschieden, so der OMV-Chef.

Nabucco-Gasleitung
Zur "Nabucco"-Gasleitung, die unter OMV-Federführung für 4,6 Mrd. Euro errichtet werden soll und ab 2011 Erdgas aus Vorderasien über Österreich nach Mitteleuropa bringen soll, steht diesen Herbst eine Reihe wichtiger Entscheidungen an. Vor einem definitiven Baubeschluss sind Zugeständnisse seitens der EU bzw. der nationalen Regulatoren zu den Mengen - die Hälfte wollen die Leitungserrichter selbst behalten - und auch zu den Geld-Rückflüssen nötig, zudem steht die Ernennung eines EU-Koordinators für die "Nabucco" sowie die Aufnahme eines sechsten Konsortialpartners, vermutlich die deutsche RWE, bevor.

Geschäfte mit dem Iran
Zur Entwicklung von Teilen des iranischen "South Pars"-Gasfelds will die OMV - nach dem Vorvertrag von April - nun bis Jahresende eine Produktionsvereinbarung unter Dach und Fach haben, so der OMV-Chef. Bei dem umstrittenen Engagement - vor allem aus den USA war wiederholt Kritik zu vernehmen, - halte man sich "an alle für uns relevanten Rechtsvorgaben", bekräftigte Ruttenstorfer. "Druck" aus den USA habe es nicht gegeben. Bei "South Pars" geht es unter anderem um eine Erdgas-Verflüssigungsanlage sowie LNG-Bezugsverträge.

Warmer Winter
Im größten OMV-Geschäftsbereich "Raffinerien und Marketing inkl. Petrochemie" (R&M) sank der Umsatz im Halbjahr - wegen Raffineriestillständen und dem warmen Winter - um 11 Prozent auf 7,4 Mrd. Euro, das Bereichs-EBIT stieg aber auf 123 (94) Mio. Euro. Die Raffinerieverkaufsmenge sank um 7 Prozent auf 10,45 Mio. t und der Marketing-Absatz um 9 Prozent auf 7,98 Mio. t. Mit 2.528 Tankstellen (samt Petrom) lag man in Mitteleuropa bei 20 Prozent Marktanteil. Beim Kunststoffproduzenten Borealis, an dem die OMV mehr als ein Drittel hält, nutze man das jetzige Zyklus-Hoch für Restrukturierungen, so Vize-Generaldirektor Gerhard Roiss.

Der E&P-Bereich büßte wegen der Dollar-Schwäche, leicht gesunkener Ölpreise und geringerer Mengen 2 Prozent Umsatz auf 1,88 Mrd. Euro ein, und das Bereichs-EBIT sank um 19 Prozent auf noch immer hohe 863 Mio. Euro. Die Öl-, NLG- und Gas-Produktion sank um 2 Prozent auf 58,3 Mio. Fass bzw. 322.000 boe täglich; Hauptgrund war der Wegfall der Südamerika-Assets (Ecuador, Venezuela). An jüngsten E&P-Erfolgen verwies Vorstandsdirektor Helmut Langanger auf die bis Juni erhaltenen 8 großen Explorationslizenzen in UK, Irland, Norwegen und Neuseeland, zu denen bisher heuer noch 4 weitere in Australien kamen.

Der Gas-Bereich wuchs durch die EconGas-Vollkonsolidierung um 90 Prozent auf 1,46 Mrd. Euro Umsatz bzw. 121 Mio. EBIT (+99 Prozent). Der warme Winter drückte den Gasverkauf um 15 Prozent auf 6,55 Mrd. m3, die verkaufte Transportkapazität wuchs um 9 Prozent auf 25,26 Mrd. m3.

Durch die Erhöhung des MOL-Anteils stieg die Nettoverschuldung der OMV binnen Jahresfrist von 647 Mio. Euro auf 1,823 Mrd. Euro, und der Verschuldungsgrad wuchs von 8 auf 18 Prozent - liegt aber damit noch immer deutlich unter dem Mittelfrist-Ziel von 30 Prozent, wie CFO David Davies betonte. Investiert wurden heuer im 1. Halbjahr 2,088 (1,650) Mrd. Euro, davon 1,561 Mrd. Euro im 2. Quartal.

Im Gesamtjahr 2007 würden Ölpreis, Raffineriemargen und Dollar-Wechselkurs weiter hoch volatil sein, heißt es im Ausblick. Der Rohölpreis werde auf hohem Niveau bleiben und kurzfristig deutlich schwanken. Raffineriemargen erwarte man auf ähnlichem Niveau wie 2006. Der Dollar werde schwächer, der rumänische Leu voraussichtlich deutlich stärker als 2006 sein.

Die OMV-Aktie verlor bis zum Nachmittag weniger als der Gesamtmarkt. Gegen 14.30 Uhr lagen die Titel mit 43,58 Euro um 4,24 Prozent tiefer, der ATX lag zu dem Zeitpunkt mit 4,54 Prozent im Minus. (apa/red)

16.8.2007 15:47