Wirtschaft wuchs im 2. Quartal um 3,8 %: So dynamisch war's seit 1999 nicht mehr!
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Österreichs Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2007 noch einmal kräftig gewachsen, mittlerweile steigen aber wegen der Krise an den Finanzmärkten die Risiken eines Abschwungs, so die Wifo- Schätzung. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum gab es ein Plus von 3,8 Prozent, gegenüber dem Vorquartal einen Anstieg von 1 Prozent. So dynamisch hatte sich das BIP im Quartal zuletzt im Jahr 1999 entwickelt.
"Warenexporte und Investitionen sind weiterhin die tragenden Säulen des Konjunkturaufschwungs", so das Wifo am Dienstag. Allerdings warnen die Forscher vor drohendem Ungemach: "Der private Konsum zeigt kaum Anzeichen einer Belebung. Für das zweite Halbjahr deuten die Turbulenzen auf den Finanzmärkten auf erhöhte Risiken hin."
Der Wifo-Konjunkturtest vom Juli zeigt jedenfalls noch eine anhaltende Hochstimmung in Industrie und Gewerbe. 41 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, nur 10 Prozent sind damit nicht zufrieden. In den vergangenen Monaten hat sich diese Beurteilung allerdings nicht mehr weiter verbessert.
Die Konsumenten erwarten zwar eine Verbesserung der Wirtschaftslage, sie schätzen jedoch ihre aktuelle finanzielle Situation ungünstiger ein als je zuvor in den vergangenen fünfzehn Jahren. Bei größeren Anschaffungen wollen sie deshalb sparen. Die Unzufriedenheit lässt sich damit erklären, dass die privaten Nettoeinkommen der Beschäftigten trotz des Konjunkturaufschwungs weiterhin stagnieren.
Die Inflationsrate ist gleichzeitig infolge der Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln gestiegen, sie erreichte im Mai und Juni die 2-Prozent-Marke. "Angesichts einer Tariflohnsteigerung von lediglich 2,4 Prozent und hoher Grenzsteuersätze erhöht sich die Kaufkraft eines Privathaushalts nur dann, wenn ein zusätzliches Familienmitglied eine Beschäftigung aufnimmt", so die nüchterne Analyse der Wirtschaftsforscher.
Die Belebung der Wirtschaft schlug sich in einem kräftigen Zuwachs der Zahl der Arbeitsplätze nieder. "Davon wird aber nur etwa ein Drittel mit Arbeitslosen besetzt", warnen die Forscher. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fällt deshalb, gemessen am Beschäftigungsboom, relativ gering aus. Teilweise geht dies auch auf den Abbau von Schulungsmaßnahmen - bei unverändertem Mitteleinsatz für die Arbeitsmarktpolitik - zurück.
Die Hauptimpulse für diese deutliche Expansion gingen abermals vom Export aus (gegenüber der Vorperiode real +1,5 Prozent); dabei wuchs sowohl die Ausfuhr von Waren (+1,4 Prozent) als auch von Dienstleistungen (+1,6 Prozent) kräftig. Die lebhafte Konjunktur ließ auch den Import weiter steigen (real +1 Prozent). Hier expandierte die Wareneinfuhr (+1,2 Prozent) stärker als der Dienstleistungsimport (+0,7 Prozent).
Die um Saison- und Arbeitstagseffekte bereinigten Bruttoanlageinvestitionen erhöhten sich im zweiten Quartal mit real +0,8 Prozent gegenüber der Vorperiode langsamer als im ersten Quartal (+1,5 Prozent). Dabei spielte das milde Wetter zu Jahresanfang eine entscheidende Rolle, es begünstigte vor allem die Bauinvestitionen im ersten Quartal. Diese expandierten im zweiten Quartal mit real plus 0,6 Prozent wesentlich langsamer als in der Vorperiode (+1,4 Prozent). Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen im zweiten Quartal mit real plus 1,5 Prozent abermals kräftig. Allerdings war das Wachstum in dieser Investitionsgüterkategorie für einen Konjunkturaufschwung relativ schwach. In den kommenden Quartalen ist mit einer deutlichen Beschleunigung zu rechnen, wie auch die Ergebnisse des Wifo-Investitionstests erwarten lassen, hieß es vom Wifo.
Wachstum in EU und Eurozone im zweiten Quartal verlangsamt
Die Konjunktur in der EU und in den 13 Staaten der Eurozone hat sich im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten dieses Jahres verlangsamt. Wie aus einer Schätzung des EU-Statistikamtes Eurostat hervorgeht, betrug die Wachstumsrate in der Eurozone nur noch 0,3 Prozent und in der gesamten EU 0,5 Prozent gegenüber jeweils 0,7 Prozent im ersten Quartal.
Im Vergleich zum Vorjahr 2006 stieg das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal in der Eurozone um 2,5 Prozent und in der gesamten EU um 2,8 Prozent, nach einem Wachstum von 3,1 Prozent bzw. 3,3 Prozent im ersten Quartal. Die USA verzeichneten heuer im zweiten Quartal einen BIP-Zuwachs von 0,8 Prozent. In Japan lag das Wachstum im selben Zeitraum mit 0,1 Prozent unter dem Wert in der EU und in der Eurozone.
Die EU-Kommission hat betont, dass sie trotz der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten an ihrer Wachstumsvorhersage für die Eurozone festhält. Er habe keine Hinweise auf Änderungen der bisherigen Prognose von 2,6 Prozent Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr, sagte ein Kommissionssprecher.
(apa/red)

