Donnerstag, 16. August 2007

Salzburger Deja-vu: 1:0-Heimsieg gegen Donezk wie gegen Valencia kein Ruhekissen

  • Erfolg zu Null: Giovanni Trapattonis Auftrag erfüllt
  • Auf Bullen wartet nun heißer Tanz in der Ukraine

Wie vor einem Jahr nimmt Salzburg das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Gruppenphase der Champions-League mit einem 1:0-Vorsprung in Angriff. Und wie vor einem Jahr in Valencia steht den "Roten Bullen" auch diesmal auswärts gegen Schachtjor Donezk ein heißer Tanz bevor. Denn trotz der knappen Niederlage im ersten Teil des packenden Fights um den Einzug in die "Millionenliga" hat der ukrainische Vizemeister bereits auf dem Salzburger Kunstrasen seine spielerische Klasse eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Im Lager der Red Bulls war man nach der Umsetzung des angestrebten Zu-Null-Sieges zufrieden. "Das 1:0 ist eine gute Ausgangsposition. Das Ziel, zu null zu gewinnen, wurde erreicht", analysierte Sportdirektor Oliver Kreuzer, Alexander Zickler, der per Elfmeter den frühen Siegestreffer erzielte (10.), glaubt, dass seiner Truppe in Donezk das womöglich goldene Auswärtstor gelingen wird: "Wir werden auch in Donezk unsere Chancen vorfinden."

Hoffen auf Auswärtstor
Und wenn eine dieser Chancen verwertet wird, müsste Donezk aufgrund der Auswärtstorregel bereits dreimal ins Schwarze treffen. "Und drei Treffer kriegen wir nicht. Wenn wir wieder so eine kämpferische Leistung zeigen, schaffen wir das", ist sich Mittelfeld-Motor Niko Kovac sicher. Deshalb bilanzierte auch Startrainer Giovanni Trapattoni ganz gemäß seiner Philosophie: "Ein 1:0 ist mir weitaus lieber als ein 2:1. Ich bin zufrieden, wir haben kein Tor bekommen."

Die große Chance auf den "perfekten" 2:0-Heimerfolg vergab vor 26.000 Zuschauern in der Schlussphase ÖFB-Teamspieler Rene Aufhauser, der frei stehend einen Kopfball aus kurzer Distanz um Millimeter am Tor vorbei setzte. "Schade, es wäre der perfekte Zeitpunkt fürs 2:0 gewesen. Ich wollte den Ball zu genau platzieren." Auch Kreuzer trauerte dieser Chance nach: "Im Training macht er von zehn solchen Möglichkeiten neun rein."

Der Respekt vor der spielerischen Klasse des Gegners ist auf jeden Fall gewaltig, und das völlig zurecht. "Donezk ist eine hervorragende Mannschaft. Wir hatten auch jede Menge Glück", gestand der mit Rückenproblemen kämpfende Zickler. "Man hat gesehen, dass Donezk über hervorragende Spieler verfügt", betonte Trapattoni, der dies natürlich bereits vor dem Heimspiel gewusst hatte. "Spielerisch ist Donezk außergewöhnlich", weiß auch Schlussmann Timo Ochs, der mittlerweile seit 493 Minuten unbezwungen und dementsprechend voller Selbstvertrauen ist: "Wir freuen uns aufs Rückspiel."

Ein Ass im Ärmel
Donezk hat sich ein Ass im Ärmel behalten. Denn der sommerliche Topeinkauf Nery Castillo soll laut Coach Mircea Lucescu in der Ukraine mit von der Partie sein. Der 23-jährige mexikanische Offensivmann, ein beidfüßiger Ballkünstler, war in der Sommerpause um 15 Millionen Euro von Olympiakos Piräus verpflichtet worden. Und auch der Integrationsprozess des italienischen Starstürmers Cristiano Lucarelli, der in Salzburg erst in der Schlussphase ins Spiel kam, soll bis zum Rückspiel abgeschlossen sein. "Mit beiden Spielern kann man im Rückspiel rechnen", kündigte Lucescu vor dem Abflug in die Ukraine an.

Eine Ankündigung, die durchaus als Drohung zu verstehen ist. Denn auch ohne die beiden prominenten Neuen haben die "Orangen" bereits in Salzburg spielerisch beeindruckt. Was die Truppe rund um die vier Brasilianer Fernandinho, Jadson, Ilsinho und Brandao auf den Kunstrasen in der Mozartstadt zauberte, verdiente phasenweise das Prädikat "sehenswert".

Dass der Vizemeister und aktuelle Tabellenzweite der Ukraine dennoch als Verlierer vom Platz ging, lag an der kämpferisch starken und kompakten Salzburg-Leistung, der schwachen Performance der Ukrainer im Abschluss und vor allem am Blackout des Kapitäns Dmitro Tschigrinski. Der 20-jährige Abwehrspieler, der ansonsten im Stile eines abgebrühten Routiniers agierte, griff nach einem Corner von Johan Vonlanthen völlig unbedrängt mit der rechten Hand zum Ball. Den folgenden Elfer verwertete Alexander Zickler zum 1:0. "Ein elementarer und unverzeihlicher Fehler", meinte Lucescu verärgert.

(apa/red)

16.8.2007 12:35