Haupt-Motiv der Entführer von befreiter deutscher Geisel : Eine Mio. Euro Lösegeld
- Lokale Polizei befreite die Frau ohne Blutvergießen
- Afghanische Regierung will weitere Geiseln befreien

·Taliban ließen zwei ihrer Geiseln frei!
Südkoreanerinnen sind in Obhut des Roten Kreuzes
·Schicksal der übrigen
19 Geiseln ungewiss
Wiederaufnahme der Ge- spräche unwahrscheinlich
Die Entführer der inzwischen befreiten Deutschen Christina M. haben nach Angaben des Kabuler Innenministeriums rund eine Million Dollar (743.273 Euro) Lösegeld gefordert. "Das Motiv der Entführung war hauptsächlich eine Lösegeldforderung. Sie forderten eine große Summe, etwa eine Million Dollar", sagte Ministeriumssprecher Semarai Bashari am Montag vor Journalisten in der afghanischen Hauptstadt. Die bisherigen Ermittlungen deuteten darauf hin, dass es sich bei den Geiselnehmern um eine kriminelle Bande und nicht um Taliban-Kämpfer handle, bei der das Geld im Vordergrund stand.
Die 31-jährige Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ora International (http://www.ora-international.de/) war am Samstag aus einem Restaurant heraus verschleppt worden, in dem sie mit ihrem Mann zu Tisch saß. Die vier Entführer flohen mit ihr mit einem Auto. Polizisten bemerkten den davonbrausenden Wagen und schossen auf ihn. Ein Taxifahrer wurde tödlich getroffen.
Befreiung ohne Blutvergießen
An den Bemühungen zur Befreiung am Sonntagabend waren nach Angaben Basharis 300 Polizisten beteiligt. Es habe kein Blutvergießen gegeben, betonte er. Der Ministeriumssprecher sprach von vier Festgenommenen, darunter sei der Drahtzieher der Entführung, Ghulam Hasrat. Zuvor war von sechs Festnahmen die Rede gewesen. Der offenbar schwangeren Frau geht es nach Angaben aus ihrem Umfeld gut. Sie befand sich am Montagmorgen in der deutschen Botschaft in Kabul.
Befreite Geisel in guter Verfassung
"Sie hat die ganze Geiselnahme gut überstanden", sagte Matthias Floreck von der Geschäftsführung der Hilfsorganisation Ora International dem Sender N24. Die Geiselnehmer seien gegenüber Christina M. nicht aggressiv geworden. Außerdem habe die 31-Jährige regelmäßig mit ihrem Mann telefonieren dürfen. Die Hilfsorganisation dankte der afghanischen Regierung, dem Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft für ihre Hilfe.
Jetzt soll weitere Geisel befreit werden
Als Büroleiterin der Hilfsorganisation Ora International war Christina M. seit einem Jahr in Afghanistan. Die Gruppe arbeitet seit 1991 in dem Land und betreibt dort zwei Kliniken, ein HIV/Aids-Aufklärungsprogramm und andere Projekte. In Berlin reagierte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit Erleichterung auf die Entwicklung. Steinmeier sagte, in dankenswerter Weise habe sich um die Befreiung der 31-Jährigen auch die "norwegische Sicherheitspräsenz" in Kabul verdient gemacht. Details nannte er nicht. Nun bleibe die Aufgabe, den noch in Geiselhaft gehaltenen 62-jährigen Rudolf Blechschmidt zu befreien.
Afghanistan will bei Befreiungen helfen
Bashari sagte, neben dem Hintermann der Entführung sei auch der Drahtzieher der Morde an zwei deutschen Journalisten gefasst worden. Die beiden Deutsche-Welle-Mitarbeiter waren im Oktober vergangenen Jahres in Norden Afghanistan erschossen worden, als sie dort zelteten. Der Sprecher des Ministeriums äußerte sich auch zum Fall der 19 seit Wochen in Afghanistan entführten Südkoreaner. Eine Befreiung der Geiseln sei weiterhin möglich, sagte er. Die afghanische Regierung verfüge über ausreichend Sicherheitskräfte für einen solchen Einsatz. Bisher sei ein Befreiungsversuch allerdings auf Bitten Südkoreas unterlassen worden. (APA/red)
