Sonntag, 19. August 2007

Heftiger Regen: Mehr als 180 Tote nach Wassereinbruch in chinesischen Bergwerken

  • Angehörige kritisieren schlechte Sicherheitsstandard
  • In Chinas Stollen sterben jährlich 10.000 Kumpels

Die Überflutung zweier Kohlebergwerke im Osten Chinas hat möglicherweise 181 Arbeiter das Leben gekostet. Am Sonntag gab es kein Lebenszeichen von den seit Freitag vermissten Bergleuten in der Provinz Shandong. In die Stollen war nach heftigen Regenfällen und einem Dammbruch Wasser eingedrungen.

Aufgebrachte Angehörige verlangten Aufklärung über das Schicksal der Vermissten und kritisierten die Sicherheitsvorkehrungen in den Minen. Nach Berichten staatlicher Medien gelang es am Sonntagmorgen, den auf einer Länge von 50 Metern geborstenen Deich am Fluss Wen abzudichten. Mit Hochleistungspumpen sollten die Bergwerke trockengelegt werden.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, 584 Arbeiter hätten sich noch vor dem Wasser in Sicherheit bringen können. In einer Zeche in der Stadt Xintai wurden 172 Menschen eingeschlossen, weitere neun in einem zweiten Bergwerk. Der Direktor der zuständigen Sicherheitsbehörde der Provinz, Wang Ziqi, bezeichnete die Überlebenschancen bereits am Samstag als gering.

Angehörigen wurden der Zugang zu den Zechen verweigert. An einem Tor verlangten rund 30 von ihnen lautstark Informationen, wobei es offenbar zu kleineren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften kam. Li Chuanmei, deren 42 Jahre alter Bruder unter den Vermissten war, sagte, niemand sage ihnen irgendetwas, es gebe keine Listen. In der Regenzeit werde die Mine regelmäßig überflutet, doch in diesem Jahr seien die Verantwortlichen offenbar nicht darauf vorbereitet gewesen.

Die Bergleute könnten in einer Tiefe bis zu 600 Meter unter Tage eingeschlossen sein, sagte Li. Zhang Qingmei, der bei einer Zulieferfirma arbeitet, schimpfte: "Die Behörden sagen: 'Sicherheit zuerst, dann erst die Produktion', aber sie halten sich nicht an diese Vorschrift." Nach Angaben auf einer Website der Regierung wurde das Bergwerk nach einem Bankrott 2004 umorganisiert. Es werde von einer Aktiengesellschaft betrieben.

Trotz einiger Bemühungen, die Sicherheit in den chinesischen Bergwerken zu verbessern, sind diese weiter die weltweit gefährlichsten. Jedes Jahr kommen tausende Arbeiter ums Leben. Viele Unglücke werden dem Profitstreben der Manager zugeschrieben, die Sicherheitsbestimmungen missachten, beim Brandschutz sparen oder mehr produzieren lassen als erlaubt.

Die Regierung hat seit Jahren Abhilfe versprochen. Die Behörden lobten Belohnungen für Arbeiter aus, die sie über Sicherheitsprobleme informieren. Tausende kleiner Zechen wurden geschlossen und korrupte Beamte, die gemeinsame Sache mit skrupellosen Minenbesitzern machen, strafrechtlich verfolgt. Doch die boomende Wirtschaft des Landes lässt die Nachfrage geradezu explodieren, seit 2000 hat sich die Kohleproduktion in China mehr als verdoppelt.
(APA/red)

19.8.2007 11:31