Explosive Lage in Nahost: Gaddafi-Sohn rechnet mit mehr Terroranschlägen in Europa
- Kein Geld für bulgarische Krankenschwestern & Arzt
- Bot internationale Vermittlerrolle bei Geiselnahme an
Der Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam al-Gaddafi, rechnet mit weiteren Terroranschlägen islamischer Extremisten in Europa. Ziele würden jene Staaten sein, die sich im Irak und in Afghanistan militärisch engagieren, sagte er in einem Interview mit der Austria Presse Agentur - APA. Sich selbst bietet Gaddafi als internationaler Vermittler in Sachen Geiselbefreiungen an, eine Entschädigungszahlung an die bulgarischen Krankenschwestern und den palästinensischen Arzt werde es nicht geben.
"Bei den Bulgarinnen und dem Palästinenser handelt es sich um eine rechtliche Frage", erklärte Gaddafi am Rande eines Treffens mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in Velden am Wörthersee. Die Schwestern und der Arzt seien vom Obersten Richterrat verurteilt worden und die Bevölkerung Libyens von ihrer Schuld überzeugt. "Es kann daher keine Entschädigungszahlung geben", betonte Saif al-Islam. Die sechs ehemaligen Gefangenen hatten vor ihrer Ausreise Verzichtserklärungen auf Klagen gegen den libyschen Staat abgegeben.
Auf den Hinweis, dass er selbst es gewesen sei, der die Unschuld der Bulgarinnen und des Palästinensers sowie Folterungen während der achtjährigen Haft bestätigt habe und dies wohl ein Schmerzensgeld rechtfertigen würde, sagte der Gaddafi-Sohn: "Meine Rolle in dieser Angelegenheit ist beendet." Er habe alles dazu beigetragen, um die Rückkehr der sechs in ihre Heimat zu ermöglichen: "Mehr konnte ich nicht tun."
Saif al-Islam al-Gaddafi, Vorsitzender der Gaddafi-Stiftung für Entwicklung (Gaddafi-Foundation for Development), will sich aber noch mehr als bisher auf internationaler Ebene einbringen, wenn es um den Versuch der Befreiung politischer Geiseln gehe. Die Frage, ob es sich dabei um ein konkretes Angebot - etwa an die Vereinten Nationen - handle, wurde von ihm bejaht.
Setzte sich wiederholt für Geiselbefreiungen ein
Die Gaddafi-Stiftung hat sich wiederholt erfolgreich für die Befreiung von Geiseln aus der Gewalt von Terroristen eingesetzt. Sie spielte etwa im Jahr 2000 bei der Freilassung entführter Urlauber auf der philippinischen Insel Jolo eine wichtige Rolle. Damals zahlte die Organisation 25 Millionen Dollar (18,6 Mio. Euro) Lösegeld. Ein Jahr später griff sie bei der Befreiung von Mitarbeitern der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now" aus der Gewalt afghanischer Taliban ein. Auch bei der Freilassung von Urlaubern aus der Gewalt islamischer Extremisten in Algerien 2003 soll Gaddafi junior mitgewirkt haben.
Wenig Positives sieht Saif al-Islam für den Mittleren Osten. Er glaubt, dass die radikalen Islamisten weiterhin regen Zulauf haben würden, vor allem bei der Jugend. "Sehr gefährlich" sei die Situation derzeit in Pakistan, das immerhin eine Atommacht ist. "Die einzige Lösung, um den Radikalismus einzudämmen, sind der rasche Abzug der westlichen Truppen aus dem Irak sowie aus Afghanistan und die Lösung der Palästina-Frage." Falls dies nicht gelänge, befürchte er weitere Anschläge auch in Europa, sagte Gaddafi. Wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung sowie logistische Hilfe für lokale Behörden im Irak und Afghanistan durch den Westen sind seiner Auffassung nach zu begrüßen, keinesfalls aber ein militärisches Engagement.
Für sein Land sieht der 35-jährige aussichtsreiche Nachfolger des seit 1969 regierenden Muammar al-Gaddafi keine Probleme mit islamischen Extremisten. "Wir haben eine gute Polizei in Libyen", so Saif al-Islam al-Gaddafi.
(APA/red)
