Boykottandrohungen aus der Opposition: Premier Erdogan wirbt um Vertrauen für Gül
- Regierungschef Türkeis weist Kritik erneut zurück
·Gül kandidiert erneut ums Präsidentenamt
Gespanntes Warten auf Reaktion des Militärs
·INFO-GRAFIK
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Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat nach Boykottandrohungen aus der Opposition um Vertrauen für den Präsidentschafts-Kandidaten Abdullah Gül geworben. Erdogan wies Kritik an Gül und seiner Ehefrau, die Kopftuch trägt, zurück. "Wir haben großes Vertrauen in unseren Kandidaten Abdullah Gül", sagte Erdogan, dessen islamisch-konservative Partei AKP bei der Parlamentswahl vor drei Wochen einen triumphalen Sieg erzielt hatte.
Gül, der türkischer Außenminister ist, traf Vertreter von Gewerkschaften und Geschäftsleute, um weitere Unterstützung zu bekommen. Er versprach erneut, dass er das in der Verfassung verankerte demokratische und säkulare System der Türkei verteidigen werde.
Die größte Oppositionspartei in der Türkei will eine Wahl Güls zum Staatspräsidenten erneut boykottieren. Die Abgeordneten der Republikanischen Volkspartei CHP wollten sich nicht an der Abstimmung beteiligen, berichteten türkische Zeitungen. Politiker der Partei würden auch nicht an einem Empfang von Gül teilnehmen.
Die CHP sieht die Trennung von Staat und Religion gefährdet, wenn Gül zum Staatspräsidenten gewählt werden sollte. Das Parlament leitet den Wahlvorgang am 20. August ein. Es wird erwartet, dass Gül spätestens in einem dritten Wahlgang die nötige Mehrheit der Abgeordnetenstimmen erhält.
Die Wahl Güls war im Frühjahr in einem ersten Anlauf gescheitert. Nach Drohungen der Militärführung, die sich als Hüter der von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verfügten Trennung von Staat und Religion versteht, hatte das Verfassungsgericht den ersten Wahlgang annulliert. Im Mai und April waren Hunderttausende gegen die AKP-Regierung auf die Straße gegangen.
(apa/red)
