Drei deutsche Polizisten bei Anschlag nahe Kabul getötet: Vierter Beamter verletzt
- Opfer waren zum Schutz der Botschaft eingesetzt
Drei deutsche Kriminalbeamte sind bei einem Bombenanschlag in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul getötet worden. Wie der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble bekannt gab, wurde außerdem ein vierter Polizist verletzt. Er befand sich aber außer Lebensgefahr. Die Opfer seien "im Einsatz zum Schutz unserer dortigen Botschaft und des Botschafters selbst" gewesen, erklärte der Minister. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zur Tat.
Nach Schäubles Mitteilung fuhren die Beamten auf dem Weg zu einem dienstlichen Training auf einen Sprengsatz. Sie hätten ein besonders geschütztes Fahrzeug benutzt. Doch sei die Explosion so stark gewesen, dass "trotz allen Schutzes die schrecklichen Folgen eingetreten sind". Das Bundeskriminalamt werde unverzüglich Experten nach Kabul entsenden, um sich an der Aufklärung des Attentats zu beteiligen.
Tödlich verletzt wurden den Angaben zufolge der Leiter und ein Mitglied des Personenschutzkommandos, beide Angehörige des Bundeskriminalamtes. Das dritte Opfer war ein Mitglied der Bundespolizei, der beim Haussicherungsdienst der Botschaft tätig war. Der verletzte Beamte habe ebenfalls dem Botschaftsschutzkommando angehört. Er werde derzeit von der Bundeswehr im ISAF-Lager Camp Warehouse in Kabul behandelt.
"Verurteile Anschlag auf das Schärfste"
"Ich verurteile den hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste", erklärte Schäuble. Er stellte klar, dass die getöteten Polizisten nicht an der europäischen Polizeimission EUPOL zum Aufbau eigenständiger Polizeikräfte in Afghanistan beteiligt gewesen seien.
Trotz des tödlichen Anschlags auf die drei deutsche Polizisten hält die deutsche Regierung an ihrem Engagement für Afghanistan fest. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Mittwoch in Berlin, die besonderen Risiken und Gefahren, die der Einsatz mit sich bringe, bedeute nicht, dass man in den Bemühungen um eine Stabilisierung des Landes nachlassen dürfe. Ein stabiles Afghanistan sei "im ureigensten deutschen Sicherheitsinteresse". Nach Angaben von Wilhelm kamen bisher 25 deutsche Soldaten im Afghanistan-Einsatz ums Leben.
Außenminister Steinmeier reagierte mit Trauer und Entsetzen auf den Anschlag. Er sprach den Angehörigen sein "tiefes Mitgefühl" aus. Die Aufgabe der getöteten Polizeibeamten sei es gewesen, Leben zu schützen. "Ihre Arbeit stellte einen wichtigen Beitrag zum deutschen Engagement für den Wiederaufbau in Afghanistan dar", erklärte Steinmeier. "Die Hintermänner dieses feigen Anschlags müssen schnellstens ermittelt und bestraft werden."
Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Taliban-Sprecher Qari Yousuf Ahmadi sagte der Nachrichtenagentur dpa, bei dem Sprengsatz habe es sich um eine ferngezündete Mine gehandelt. Das war zuvor auch aus Sicherheitskreisen bestätigt worden. Nach Ahmadis Angaben war das Ziel allerdings ein Militärkonvoi.
Örtliche Polizeikräfte hatten zunächst davon gesprochen, dass drei deutsche Soldaten getötet worden seien. Augenzeugen vor Ort berichteten, der Konvoi aus zwei deutschen Geländewagen sei auf einer Schotterstraße unterwegs gewesen, als die Bombe explodiert sei. Drei Leichen seien mit Hubschraubern abtransportiert worden. Später seien französische Soldaten mit Antiminengerät und US-Soldaten am Explosionsort eingetroffen.
Erst vor drei Monaten waren in Afghanistan drei deutsche Soldaten getötet worden. Sie starben am 19. Mai bei einem Selbstmordattentat auf einem belebten Markt in Kunduz.
(apa/red)
