Mittwoch, 15. August 2007

Bombenanschlag auf Zug in Russland: Drei Terror-Verdächtige - Phantombilder erstellt

  • Erste Hinweise entdeckt: Ziel war maximaler Schaden
  • Verwendete Kabel deuten auf Ultranationalisten hin

Nach dem Bombenanschlag auf den Schnellzug "Newski Express" zwischen Moskau und St. Petersburg haben russische Behörden erste Hinweise entdeckt, die auf einen rechtsextremen Hintergrund der Tat hindeuten. Die bei der Zündung der Bombe verwendeten Kabel ähnelten jenen, die bei zwei anderen von Ultranationalisten verübten Anschlägen eingesetzt wurden, berichtete die Zeitung "Moscow Times". Mittlerweile wurden auch Phantombilder von drei Verdächtigen erstellt, die Passanten vor der Explosion an der Bahnstrecke gesehen hätten.

Die Tageszeitung wies darauf hin, dass tschetschenische Extremisten ihre Bomben üblicherweise mit Mobiltelefonen zünden, während Rechtsextreme elektrische Kabel verwenden. Dies sei der Fall gewesen beim Anschlag auf den liberalen Ex-Premier und jetzigen Chef des staatlichen Strommonopolisten EES Rossii, Anatoli Tschubais, im März 2005 sowie jenen auf einen Zug zwischen Moskau und der tschetschenischen Hauptstadt Grosny im Juni desselben Jahres. Für diesen Anschlag wurden im April zwei Ultranationalisten verurteilt, die offenbar tschetschenische Zugpassagiere töten wollten. Für den Anschlag auf Tschubais muss sich derzeit eine Gruppe von Rechtsextremisten vor Gericht verantworten. Bei keinem der Anschläge gab es Todesopfer.

Auch beim Anschlag auf die Schnellzugstrecke kamen keine Menschen ums Leben, es wurden 60 Menschen verletzt. Der selbst gebaute Sprengsatz explodierte bei Nowgorod Weliki, rund 500 Kilometer nördlich von Moskau, unmittelbar vor der Lokomotive des Zuges, der mit 251 Menschen besetzt war. Der Zug war mit 180 Stundenkilometern unterwegs. Die Garnitur entgleiste, drei Waggons kippten um. Die Explosion und der Zugunfall rissen die Gleise auf einer Länge von 800 Metern auf.

"Erste Informationen über einen Verdächtigen"
"Wir haben schon erste Informationen über einen der Verdächtigen", sagte Vize-Generalstaatsanwalt Alexander Bastrykin der Agentur Itar-Tass. "Die Terroristen hatten es allem Anschein nach auf einen maximalen Schaden abgesehen", sagte ein Sprecher der Sonderkommission. Alles deute auf eine genaue Planung hin. "Wir können aber auch andere Gründe für einen Anschlag nicht ausschließen", sagte Bastrykin. Der Chef des russischen Anti-Terror-Komitees und Geheimdienstchef Nikolai Patruschew kündigte unmittelbar nach dem Anschlag eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze an. "Die Bedrohung durch Terrorismus und Extremismus ist noch nicht eliminiert", sagte er.

Die Behörden wollten zu den Hintergründen der Tat bisher nicht Stellung nehmen, gehen aber von einem Terroranschlag aus. Die meisten Anschläge auf Ziele in Russland waren bisher von Rebellen aus der Kaukasus-Region verübt worden. Von der "Moscow Times" befragte Experten glauben diesmal nicht an eine Urheberschaft tschetschenischer Rebellen.

Die Terrorexpertin Irina Borogan wies darauf hin, dass der Schnellzug vor allem von Beamten und Geschäftsleuten benützt wird, gegen die sich der Hass der russischen Rechtsextremisten genauso richte wie gegen Ausländer und Angehörige von Minderheiten. Der Politikwissenschafter Alexander Khramchikhin (Chramtschichin) meint sogar, dass Unterstützer von Staatspräsident Wladimir Putin hinter der Tat stecken könnten. Durch das Heraufbeschwören einer großen Terrorgefahr im Land könnten sie eine Verschiebung der im Herbst stattfindenden Parlamentswahlen erreichen sowie ein neuerliches Antreten Putins bei der Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr, sagte der Politologe. Putin darf wegen der in der russischen Verfassung festgelegten Amtszeitbeschränkung nicht ein drittes Mal in Folge zur Wahl antreten.

(APA/red)

15.8.2007 15:11