Donnerstag, 16. August 2007

Kaltblütiger Mafia-Mord: Italien schickte 2 Ermittler zur Unterstützung nach Duisburg

  • Anschlag galt vermutlich nur einer Person im Wagen
  • Sechs Italiener bei Massaker getötet. Plus: BILDER!

Nach dem sechsfachen Mord in Duisburg hat die Polizei Unterstützung aus Italien erhalten. Zwei Ermittler aus Kalabrien trafen in Duisburg ein, um die deutschen Behörden zu unterstützen, wie Polizeisprecher Reinhard Pape sagte. Eine Verbindung zur Mafia sei aber nur eine Möglichkeit, die geprüft werde. Nach einen Bericht der Nachrichtenagentur ANSA gehen die italienischen Ermittler dem Verdacht nach, dass der getötete Marco M. Ziel des Anschlags gewesen sei.

Marco M. werde verdächtigt, am ersten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres die Frau eines der Führer des rivalisierenden Clans getötet zu haben, hieß es. Nach italienischen Medienberichten wurde in der kalabresischen Stadt San Luca, der Heimat der verfeindeten Familien Nirta-Strangio und Pelle-Romeo, zusätzliche Polizeikräfte stationiert, um Vergeltungsaktionen zu verhindern.

Bei dem blutigen Massaker in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofes waren sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren ermordet worden. Die Polizei erhofft sich weitere Hinweise auf die Täter von der Auswertung von Überwachungsvideos, die in der Nähe des Tatorts aufgezeichnet wurden. Allerdings seien die Aufnahmen von sehr schlechter Qualität. Derzeit versuche man sie durch technische Tricks aufzubessern. Allerdings stehe noch nicht fest, ob dies gelingen werde.

Antimafiaermittler kamen auch in Reggio Calabria zusammen, um die Ermittlungen zu koordinieren. Dabei sollte auch geprüft werden, ob auch mögliche wirtschaftliche Interessen dazu geführt haben können, dass die Fehde jetzt auch außerhalb Kalabriens ausgetragen wird.

Mafia auf dem Vormarsch
Die Polizeigewerkschaft GdP warnte derweil vor einer wachsenden Gefahr durch die Mafia. "Die Mafia und andere organisierte Kriminelle sind in Deutschland auf dem Vormarsch. In vielen Bereichen der Wirtschaft haben sie inzwischen einen Fuß in der Tür", sagte GdP-Chef Konrad Freiberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Dimension des Problems werde in der Öffentlichkeit als auch in den Lagebildern der Polizei unterschätzt, sagte Freiberg. Er geht nach eigenen Worten davon aus, dass über Mittelsmänner jedes Jahr Hunderte Millionen Euro in deutsche Unternehmen investiert werden, die aus schmutzigen Quellen stammen.

Dass Fehden italienischer Mafia-Clans künftig häufiger nach Deutschland übergreifen werden, hält Freiberg aber für unwahrscheinlich: "Die Mafia ist sehr darauf bedacht, ohne großes Aufsehen zu agieren. Spektakuläre Morde wie die von Duisburg laufen dem zuwider und dürften deshalb wohl Ausnahmen bleiben."

Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) spielen italienische Staatsangehörige bei der organisierten Kriminalität, zu der auch die Mafia gezählt wird, in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2005 waren 40,9 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche, bei den ausländischen Tatverdächtigen stellten türkische Staatsbürger mit 8,8 Prozent den höchsten Anteil, Italiener folgten mit 4,4 Prozent.

(apa/red)

16.8.2007 11:39