Dienstag, 14. August 2007

Einsturz von neuer Brücke in Zentralchina: Mindestens 22 Tote, 44 werden noch vermisst

  • Bauwerk brach bei Abbau von Gerüsten zusammen
  • Düstere Prognose: "Es könnten bis zu 60 Opfer sein"

Beim Einsturz einer gerade fertiggestellten Brücke in Zentralchina sind mindestens 22 Arbeiter getötet worden, 44 weitere galten als vermisst. Wie das chinesische Amt für Arbeitsschutz mitteilte, brach die Brücke über den Fluss Tao am Montag kurz nach ihrer Fertigstellung zusammen, während die Arbeiter mit den letzten Aufräumarbeiten beschäftigt waren. 56 konnten gerettet werden, teils schwerverletzt.

Unklar war zunächst die Unglücksursache. Nach Angaben des Kommunikationsministeriums wurden viele Brücken in den vergangenen Jahren allzu rasch hochgezogen. Die Regierung will nun bis 2010 rund 6.300 potenziell einsturzgefährdete Brücken prüfen lassen.

Die Unglücksstelle liegt im Bezirk Fenghuang, der wegen seiner Gebirgslandschaften und seiner alten Bauwerke ein beliebtes Touristenziel ist. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bauten die Arbeiter gerade die Baugerüste ab, als die 268 Meter lange und 42 Meter hohe Brücke einbrach. Zu dem Zeitpunkt befanden sich noch 123 Arbeiter auf der Baustelle. 56 von ihnen arbeiteten noch auf der Brücke, Dutzende weitere unter ihr. "Es war unglaublich" zitierte Xinhua einen Augenzeugen namens Jiang. "Überall weinten Menschen, Hunderte versuchten, bei den Rettungsarbeiten zu helfen". Bergungskräfte setzten am Dienstag die Suche nach Vermissten in den tonnenschweren Trümmern fort. Sie hatten kaum noch Hoffnung auf Überlebende.

Warum die Brücke einstürzte, war auch am Dienstag unklar. Nach Angaben von Xinhua wurden der Projektmanager sowie der Bauleiter von der Polizei verhört. Wie die Tageszeitung "China Daily" unter Berufung auf das Kommunikationsministerium berichtete, sind viele alte Brücken dem rasant gestiegenen Autoverkehr nicht mehr gewachsen. Jüngere Brücken wiederum wurden aus Profitgier oftmals innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt - unter Verzicht auf die üblichen Sicherheitsstandards.

"Früher brauchten wir ein Jahr, um eine Brücke zu bauen, heute wird sie in der Regel in einem Monat hochgezogen", sagte der Leiter des Bauingenieur-Verbands, Xiao Rucheng", dem Blatt. Um den Zeitplan einzuhalten, werde auch bei heftigem Regen gearbeitet, obwohl jeder wisse, dass auf diese Weise Risse im Beton vorprogrammiert seien.

Das Kommunikationsministerium kündigte eine Überprüfung von rund 6.300 Brücken an, die Baumängel oder bereits Schäden aufweisen. Mit der Maßnahme zog die Regierung laut den chinesischen Medien allerdings nicht die Konsequenzen aus den Vorfällen im eigenen Land - sondern aus dem spektakulären Brückeneinsturz in den USA vor rund zwei Wochen. (APA/red)

14.8.2007 13:41