Lokführer hörte Knall: Terror-Alarm nach Zugunglück mit 60 Verletzten in Russland
- Selbst gebauter Sprengsatz & tiefer Krater gefunden

Nach einem Bombenanschlag auf den Schnellzug von Moskau nach St. Petersburg hat die russische Justiz Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Mindestens 60 Menschen wurden verletzt, als der "Newa-Express" bei Tempo 130 auf einer der wichtigsten Bahnstrecken des Landes entgleiste. Zuvor war dort ein selbstgebauter Sprengsatz explodiert. Die Behörden kündigten eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen an.
Die Lokomotive und ein Dutzend Waggons sprangen bei Nowgorod, rund 500 Kilometer nördlich von Moskau, aus den Gleisen. Mindestens drei Waggons kippten um. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, es seien Terror-Ermittlungen eingeleitet worden. Die offenbar selbst gemachte Bombe habe eine Sprengkraft von zwei Kilogramm TNT gehabt. "Die Bedrohung durch Terrorismus und Extremismus ist noch nicht eliminiert", sagte der Chef des Geheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, laut Medienberichten.
Patruschew kündigte ein Paket von zusätzlichen Maßnahmen an, die auf Vorbeugung gegen terroristische Akte und mögliche Notfälle gerichtet seien. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass mögliche terroristische oder extremistische Handlungen die Lage im Land destabilisierten, sagte der Leiter des Nationalen Anti-Terror-Komitees. Vor allem tschetschenische Rebellen und ihnen nahestehende Extremisten aus der Kaukasusregion hatten in den vergangenen Jahren häufig Anschläge auf zivile Ziele in Russland verübt. Zuletzt waren bei einem Bombenanschlag auf einem belebten Moskauer Markt im August vergangenen Jahres elf Menschen getötet und 45 verletzt worden.
Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der Verdacht fiel aber umgehend auf Rebellen aus dem Kaukasus. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, Kabel und weiteres an der Unglücksstelle sichergestelltes Material ähnelten dem, das bei einem Bombenanschlag auf einen Zug von Grosni nach Moskau 2005 benutzt worden sei.
Medienberichten zufolge ging der Anschlag noch relativ glimpflich aus: Demnach war die Bombe in der Nähe einer 30 Meter hohen Brücke platziert. Wäre der Zug dort hinuntergestürzt, hätte es wohl bedeutend mehr Opfer gegeben. RIA-Nowosti meldete, der "Newa-Express" sei zum Zeitpunkt des Unglücks 130 Stundenkilometer schnell gefahren. Anderen Angaben zufolge war die Garnitur mit 180 Kilometer pro Stunde unterwegs.
25 der etwa 60 verletzten Menschen wurden nach Angaben des Bahnunternehmens in Krankenhäuser gebracht. Unter den Verletzten waren offenbar keine Ausländer. Bahnmanager Alexander Pirkow sagte im Fernsehen, insgesamt hätten sich 215 Fahrgäste und 20 Bahnmitarbeiter in dem Zug befunden. Der Lokomotivführer habe unmittelbar vor dem Entgleisen einen lauten Knall gehört.
"Wir haben zwei Explosionen gehört, dann wurden sehr schnell die Bremsen gezogen", sagte ein Zugbegleiter. "Panik brach aus." Ein Passagier sagte dem russischen Sender NTV, einige Fahrgäste seien offenbar in den Wagen eingeschlossen gewesen. Schaffner, Bahnangestellte und andere Reisende hätten Fenster eingeschlagen und den Leuten hinausgeholfen, als beschädigte Oberleitungen geborsten seien. Der gesamte Verkehr auf der Strecke, eine der meistbefahrenen in Russland, wurde eingestellt.
Die Explosion und der Zugunfall rissen die Gleise auf einer Länge von 800 Metern auf. Arbeiter begannen mit der Reparatur. Der Verkehr auf der auch bei Touristen beliebten Verbindung sollte am Nachmittag wieder aufgenommen werden.
(APA/red)
