Montag, 20. August 2007

Unwetter in Salzburg fordert Todesopfer: Mehrfacher Vater im Flachgau ertrunken

  • Wollte Bachrohr von Schmutz und Unrat befreien
  • PLUS: Zum Teil schwere Unwetter auch in Tirol

Schwere Unwetter haben Österreich heimgesucht. Im Bundesland Salzburg war auch ein Todesopfer zu beklagen: In Koppl ertrank ein 55-jähriger fünffacher Vater in einem Abfluss-Schacht. Der Hausmeister hatte versucht, ein rund 70 Zentimeter dickes Abflussrohr zu reinigen, weil dieses zu verklausen drohte. Dabei dürfte er in den Bach gefallen sein. Er wurde in das Rohr geschwemmt und blieb darin stecken.

Drei seiner Söhne versuchten verzweifelt, den Vater herauszuziehen, was aber nicht gelang. Erst nach rund zehn Minuten konnten sieben Feuerwehrleute gemeinsam den 55-Jährigen aus dem rund 1,30 Meter Wasser bergen, er war aber bereits tot.

In der Nachbargemeinde Plainfeld lösten die Regenfälle zwei Hangrutschungen aus, drei Häuser wurden dadurch verschlammt. In etlichen Gemeinden gab es kleinräumige Überschwemmungen, die Feuerwehren verzeichneten mehr als 100 Einsätze. Schäden gab es auch am berühmten Schloss Hellbrunn, weil der Hagel rund 30 Fenster zertrümmerte. Vor allem der Baumbestand des Schlossparks wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch in der Landwirtschaft richtete der Hagel große Schäden an.

OÖ: 800 Feuerwehrleute im Einsatz
In Oberösterreich waren 800 Feuerwehrleute mit 50 Löschfahrzeugen im Einsatz. Zahlreiche Häuser wurden überflutet, kleinräumige Murenabgänge blockierten Straßen, berichtete das Landes-Feuerwehrkommando Oberösterreich. Die Einsatzzentrale verzeichnete zwischen 18.30 und 23.00 Uhr rund 200 Notrufe. So mancher Keller habe sich binnen Minuten bis unter die Decke mit Wasser gefüllt, erklärte ein Mitarbeiter der Feuerwehr. Wegen Hagels kam im Bezirk Kirchdorf der Verkehr zum Erliegen. Die Hagelkörner lagen zehn Zentimeter hoch, so ein Beamter der Autobahnpolizei. Ein Schneepflug musste ausrücken, um die Fahrbahn zu räumen.

Tirol: 700.000 Euro Schaden
700.000 Euro Schaden allein in der Landwirtschaft hat das Unwetter in Tirol verursacht. Die Hagelkörner waren zum Teil so groß wie Tennisbälle. In den von den sintflutartigen Niederschlägen am stärksten betroffenen Bezirken Kitzbühel, Schwaz, Kufstein und Innsbruck-Land wurden zahlreiche Keller überflutet, kleinere Bäche traten über die Ufer und Straßen wurden überschwemmt. Ein Murenabgang in Kitzbühel hatte die Pass-Thurn-Straße für die Dauer von zwei Stunden blockiert. Verletzte gab es keine. Wie hoch die verursachten Schäden insgesamt sind, war vorerst nicht bekannt.

Touristen in Bergnot
In Vorarlberg verliefen die Unwetter großteils glimpflich. Im Kleinwalsertal wurde eine vierköpfige Familie aus Lauenau (Niedersachsen) während einer Wanderung von Hagelschlag überrascht. Sie wurde erschöpft, aber unverletzt, von der Bergrettung geborgen. Ein weiterer deutscher Wanderer verletzte sich in Lech am Arlberg, als er während des eiligen Abstiegs bei Hagelwetter abstürzte. Er konnte seinen Weg noch bis zur rettenden Hütte fortsetzen und wurde mit Prellungen und Abschürfungen per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Die Feuerwehr verzeichnete kaum Einsätze wegen der Gewitter. In Andelsbuch (Bregenzerwald) traf ein Blitz ein leerstehendes landwirtschaftliches Gebäude, zu einem Brand kam es trotz der Rauchentwicklung aber nicht. (apa/red)

20.8.2007 13:19