Vorsicht Fälschung: Kunstplagiate - das Geschäft mit der gefälschten Kunst boomt
- NEWS: Besonders beliebt sind österreichische Maler
- Fälschungen tauchen in Internetauktionshäuser auf

Kunstplagiate: Das Geschäft mit gefälschter Kunst boomt. Bei den Tätern besonders beliebt: österreichische Maler.
Es schien zu schön, um wahr zu sein: 120 Bilder österreichischer Künstler von Arnulf Rainer bis Hermann Nitsch sollten angeblich jahrzehntelang auf einem Dachboden unentdeckt vor sich hin geschlummert haben, bis sie von zwei "Kunstliebhabern" gefunden wurden.
Eine Sensation! Wenn, ja wenn es sich bei den Werken tatsächlich um Originale gehandelt hätte. Aber - leider, leider: Was die beiden arbeitslosen Niederösterreicher auf Flohmärkten und in ihrem vermeintlichen Atelier an interessierte Kunstliebhaber verkauften, waren nichts anderes als billige Kopien. Trotzdem: Zwei Jahre lang ging die Aktion der Pseudo-Picassos gut - dann flog einer der größten Kunstschwindel der vergangenen Jahre auf: Die Täter, einer davon ein Hobbymaler, hatten nach dem Motto "Das können wir eh auch" kurzerhand mithilfe von Abbildungen aus Auktionskatalogen Fälschungen erstellt und diese um insgesamt 56.000 Euro verkauft.
Fälscherparadies Internet
Das Vergehen der beiden Österreicher ist kein Einzelfall - immer wieder entdecken raffinierte Betrüger die Einnahmequelle Kunst für sich und ahmen Werke bekannter Künstler nach. Während die Plagiate noch vor nicht allzu langer Zeit vor allem unter der Hand, auf Flohmärkten oder in Hinterhöfen als Originale angeboten wurden, hat sich in den letzten Jahren ein neuer, stark boomender Markt aufgetan: Internetauktionshäuser.
"Das World Wide Web", so Anita Gach vom Bundeskriminalamt (BKA), "bietet dafür leider eine riesige Plattform. Denn im Internet besteht die nur schwer kontrollierbare Möglichkeit, gefälschte Kunst an den Mann zu bringen".
Die Kunstexpertin fahndet im Auftrag des Innenministeriums nach gefälschten Gemälden aus allen Epochen. Der Strafrahmen für das Delikt des Betrugs: bis zu drei Jahre. Gach über ihre einschlägigen Erfahrungen aus der Praxis: "Viele Täter fertigen Totalfälschungen an - also Bilder, die im Original nicht existieren, und signieren sie mit den Namen berühmter Maler. Und leider gibt es immer wieder Kunden, die nicht stutzig werden, wenn ein Klimt oder ein Chagall für wenige Euro Startpreis angeboten wird - und das Bild ersteigern."
Klimt aus Omas Salon
So wie die zahlreichen Opfer jenes Wieners, der vermeintliche Zeichnungen von Gustav Klimt, Edgar Degas, Marc Chagall und Käthe Kollwitz in einem großen Internetauktionshaus um wenige hundert Euro feilbot. Die Geschichte, wie er in den Besitz der wertvollen Kunstwerke gekommen sei, lieferte der Mann kostenlos mit: Seine Großmutter habe um die Jahrhundertwende einen Salon geführt, in dem sich die noble Wiener Gesellschaft traf und angesehene Künstler wie Klimt ein und aus gegangen seien. So sei die Oma in den Besitz zahlreicher Bilder gekommen. Der Schwindel des Mannes flog erst auf, als ein deutscher Kunststudent Verdacht schöpfte und die Behörden informierte.
Fälschermuseum
Dass Fälscher immer noch Hochkonjunktur haben, weiß auch Diane Grobe zu berichten. Die Betriebswirtin leitet das Fälschermuseum in Wien 3. Die private Einrichtung ist die einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum und präsentiert Plagiate aus der Hand berühmt-berüchtigter Kunstfälscher wie Konrad Kujau, dem Fälscher der Hitler-Tagebücher. "Besonders im amerikanischen Raum verkauft sich Fake-Kunst gut. Den Käufern scheint bloß wichtig zu sein, dass ein Bild mit einem bekannten Namen signiert ist. In Internetauktionshäusern nehmen schlechte Fälschungen sogar bereits 50 Prozent der angebotenen Kunst ein. Das Wichtigste: Es muss eine abenteuerliche Geschichte dazu geben - dann verkaufen sich die Bilder leicht", erläutert Grobe.
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