Wertvoller Kunstschatz im Sperrmüll: Pinzgauerin entdeckte 800 Jahre altes Kreuz
- Danach lagerte der Schatz drei Jahre unter dem Sofa
- Stück wurde 1889 bei Weltausstellung in Paris gezeigt

Ein rund 800 Jahre altes Kreuz hat eine Pinzgauerin im Jahr 2004 in einem Sperrmüll-Container in Zell am See gefunden. Nach drei Jahren übergab sie es dem Bergbaumuseum Leogang, das mit dem Landeskriminalamt Salzburg (LKA) die Geschichte des Kreuzes ermittelte: Es stammt aus einer polnischen Kunstsammlung und wurde 1941 von den Nazis gestohlen und nach Salzburg gebracht.
Bei einer Wohnungsentrümpelung im Jahr 2004 landete das Kreuz in Zell am See im Sperrmüll-Container. Eine Nachbarin dürfte den Container durchsucht haben dabei das Kreuz entdeckt und zu Hause aufbewahrt haben, teilte die Polizei mit. Heuer im Juli zeigte sie das Kreuz einem Nachbarn, der erkannte, dass es sich um eine Rarität handeln könnte, und brachte es ins Bergbaumuseum Leogang. Dessen Kurator Hermann Mayerhofer übergab dieses Kreuz an das LKA.
Die folgenden Ermittlungen ergaben, dass es sich um ein Passionskreuz handelt, wie sie im 12. und 13. Jahrhundert im französischen Limoges hergestellt wurden. Es ist aus vergoldetem Kupferblech und Email angefertigt und stellt auf der Frontseite Christus am Kreuz dar. Auf der Rückseite sind mehrere Medaillons angebracht. Bei Auktionen haben derartige Stücke Preise bis 400.000 Euro erzielt.
Das Kreuz stammt aus der Kunstsammlung von Izabella Elzbieta von Czartoryski Dzialinska im Schloss Goluchwow in Polen, die 1941 von den Deutschen geraubt und nach Warschau und später nach Österreich ins Schloss Fischhorn in Bruck an der Glocknerstraße gebracht wurde. Dort verliert sich die Spur des Kreuzes.
Die "Commission for looted Art" London wurde vom polnischen Kulturministerium bereits eingeschaltet und vertritt die Erben. Das Exponat wurde inzwischen ins Bergbaumuseum Leogang zurückgebracht, wo es in nächster Zeit ausgestellt werden soll.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das wertvolle Kreuz jahrelang in der Wohnung eines Hoteliers in Zell am See, Ortsteil Thumersbach, aufbewahrt. Wie und wann der im Jahre 2004 verstorbene Mann, der in Badgastein ein Hotel besaß, zu dem Kunstschatz gekommen war, gibt der Exekutive Rätsel auf. "Das wissen wir derzeit nicht, möglicherweise wird man das nie erfahren. Vielleicht stellt sich das noch im Nachhinein einmal heraus", sagte Oberst Josef Holzberger vom Landespolizeikommando Salzburg bei einer Pressekonferenz im Bergbaumuseum Leogang.
Die Verwandten des Hoteliers konnten der Polizei bisher Hinweise liefern, wie das Kreuz in die Wohnung gelangt war. Nach seinem Tod hatten sie sein Inventar entsorgt. Die Gegenstände sollten in einem Autoanhänger zur Müllsammelstelle Zemka in Zell am See gebracht werden, schilderte der Sachbearbeiter in der Landeskriminalabteilung Salzburg, Christian Krieg. Die 58-jährige Nachbarin Lydia G. kramte vor der Abfahrt noch nach Geschirr und zog dann das Kreuz heraus. Die Nichte des Verstorbenen wollte es aber nicht haben und schenkte es der Finderin.
Nachdem die Nachbarin das Kreuz drei Jahre lang unter der Couch versteckte hatte, meinte sie heuer in einem Gespräch mit dem pensionierten Herzspezialisten Peter B., falls sie sterben werde, würde ja auch ihre Wohnung ausgeräumt. "Sie erzählte dem Arzt von dem Kreuz, und der hat den historischen Wert erkannt", berichtete Sachbearbeiter Krieg.
Am 16. Juli trug der Herzspezialist, der in Linz beschäftigt war, die wertvolle Rarität ins Bergbaumuseum Leogang. Es werde noch längere Zeit dauern, bis das Kreuz von den Erben abgeholt wird, meinte Museumskurator Hermann Mayerhofer. Die "Commission for Looted Art" hat sich mit den Nachkommen der polnischen Adelsfamilie bereits in Verbindung gesetzt.
Angst vor einem Diebstahl hat der Kurator nicht. "In der Zwischenzeit wird das Kreuz in einer Vitrine ausgestellt, und zwar ab sofort. Die Vitrine ist schusssicher und alarmgesichert. Im Haus herrschen höchste Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt noch vier Limoges-Exponate bei uns zu sehen. Mit dem Kreuz haben wir jetzt die größte Limoges-Sammlung, die man in Österreich sehen kann", sagte Mayerhofer nicht ohne Stolz.
Das 800 Jahre alte Kreuz sei eines von zahlreichen Kunstgegenständen - darunter Gemälde und Statuen - gewesen, die der Adelsfamilie Czartoryski Dzialinska gehörten und von den Nazi ins Schloss Fischhorn nach Bruck im Pinzgau gebracht wurden. "Nur das Kreuz ist wieder aufgetaucht", so Krieg. Dieses habe im 13. Jahrhundert als "Massenware" gegolten und sei "etwas schlampig verarbeitet". Da nur mehr wenige Stücke auf der ganzen Welt vorhanden sind, sei es dennoch sehr wertvoll.
(apa)
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