Donnerstag, 16. August 2007

"Der Veränderung nicht entziehen": Forum Alpbach von Erhard Busek feierlich eröffnet

  • Politische Gespräche über 'Europa als globaler Akteur'

Das Europäische Forum Alpbach ist offiziell gestartet - das Motto "Emergence - Die Entstehung von Neuem" argumentierte Forums-Präsident Erhard Busek mit der Neugier des Menschen "von Natur aus" und der von politischen Neuerungen geprägten Gegenwart. Er plädierte für mehr Optimismus hinsichtlich der Entwicklung Europas.

"Wir können uns der Veränderung nicht entziehen", meinte Busek in seiner Eröffnungsrede. "Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht." Er plädierte dafür, die Chancen des europäischen Umbruchs der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte zu sehen: Es sei eigenartig, "dass wir so tun, als ob wir darunter leiden, Europa neu zu gestalten". Für Busek ist diese Haltung unverständlich: Die Amerikaner würden sich ans Herz greifen, wenn sie über ihr Land sprechen, "wir Europäer greifen uns an den Kopf, wenn wir darüber reden."

Wie man Neuerungen möglichst nutzbringend und sinnvoll begegnet, soll beim Forum intensiv erörtert werden: 2.800 Teilnehmer aus 48 Staaten werden zu der Veranstaltung, die sich heuer das 63. Mal jährt, erwartet. Das Niveau ist gewohnt ein hohes: Hochkarätige Wissenschafter, Vertreter der Wirtschaft, der Politik und der Diplomatie geben sich in Alpbach bis zum 1. September ein Stelldichein.

Den ersten wichtigen Block bilden die Reformgespräche zu denen unter anderem Referenten aus Pakistan und Südafrika erwartet werden. Hier wird es etwa um den Wandel ehemaliger Entwicklungsländer zu "Global Players" und Fragen der wirtschaftsnahen Entwicklungszusammenarbeit gehen, aber auch um die Chancen österreichischer Unternehmen in den betreffenden Regionen.

Die thematisch breit gestreuten dicht gestaffelten Technologiegespräche sind bereits gestartet und stellen die an der Teilnehmerzahl gemessen größte Veranstaltung dar: Globale Erwärmung und Energie- und Sicherheitsfragen bis zur Zukunft der Wissenschaft werden hier behandelt. Unter den Referenten finden sich heuer gleich drei Nobelpreisträger: der Chemiker Paul J. Crutzen vom Max-Planck-Institut Mainz, der Molekularbiologe Werner Arber von der Universität Basel und der Chemiker Jean-Marie Lehn von der Universite Louis Pasteur (Straßburg) bzw. dem College de France (Paris).

Auf dem Programm der darauf folgenden Politischen Gespräche stehen vor allem internationale Fragen. So wird zum Thema "Machtfaktor Ressourcen" ein Afrika-Schwerpunkt gesetzt. Um Asien wird es speziell mit der Frage nach neuen Machtzentren gehen. Das Generalthema ist Europa als globalem Akteur gewidmet.

Mit der provokanten Fragestellung "Nie wieder Vollbeschäftigung? Perspektive 2020" starten die Wirtschaftsgesprächen den letzten großen thematischen Block, bevor das Forum Alpbach mit dem Universitätstag zu Ende gehen wird.

Die Bundespolitik wird heuer prominent vertreten sein: Zugesagt hat die Bundesregierung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) abwärts fast vollzählig, wobei Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) laut Forum Alpbach wieder abgesagt hat. Auf der Rednerliste stand ursprünglich auch Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus, der jedoch ebenfalls nicht erscheinen wird. (apa)

16.8.2007 18:08