Mittwoch, 8. August 2007

Flucht der Weinkönigin: Rosemaries Babydrama

  • Depression: Nach der Wahl wird die Winzerkönigin zunehmend einsam.

Die NEWS-Reportage hinter den Kulissen eines Dramas, das bis zum Polarkreis führte.

Das Krankenhaus von Rovaniemi ist das einzige der Stadt. 60.000 Menschen wohnen am sogenannten „Tor zum Norden“, direkt am Polarkreis, wo es jetzt, im Sommer, nur zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh finster ist. Im zweiten Stock, auf der Geburtenstation des Krankenhauses, liegt die derzeit „prominenteste“ Patientin: Rosemarie Löschnauer, Österreicherin aus dem kleinen burgenländischen Örtchen Raiding. Die Jalousien sind geschlossen, im Krankenbett des Zimmers döst die frisch entbundene Mutter vor sich hin. Nichts ist zu hören außer dem Tickern und Piepen der medizinischen Überwachungsgeräte. Frau Löschnauer ist in einem sehr labilen Zustand“, erläutert Hannu Halme, der ärztliche Leiter des Spitals, mit leiser Stimme dem NEWS-Reporterteam. „Sie ist derzeit nicht kommunikationsfähig“, fügt Halme hinzu, „und das wird auch bis zu ihrer Überstellung nach Österreich wohl so bleiben.“

3.000 Kilometer Flucht. Wir befinden uns am nördlichen Polarkreis, knapp 3.000 Straßenkilometer von Wien entfernt, in jenem Spital, wo Rosemarie Löschnauer am 4. August 2007 eingeliefert worden war. Gegen vier Uhr früh dieses Tages war die augenscheinlich verwirrte Frau von einem finnischen Arzt in die Notaufnahme des Spitals gebracht worden. Die Ärzte wussten sofort, was zu tun war: fortgeschrittene Zwillingsschwangerschaft, Blasensprung, höchstes Risiko einer Infektion von Mutter und Kindern.

Die Patientin wird sofort anästhesiert und per Kaiserschnitt von Frühlingen entbunden: zwei Mädchen, die zwar beide leben, aber nur 600 und 700 Gramm wiegen. 25. Woche, so ziemlich die Untergrenze für Neonatologen, um Babys über die Runden zu bringen.

Noch am selben Tag werden die Zwillinge deshalb mit einem Spezialkrankenwagen, in dem zwei Intensivbettchen für Frühgeborene stehen, 200 Kilometer in eine Spezialklinik nach Oulu gefahren.

Rosemarie Löschnauer sieht ihre Kinder nicht, weiß nichts über deren Zustand, dämmert – ruhig gestellt durch schwere Medikamente – im Spital von Rovaniemi vor sich hin.

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8.8.2007 15:58