Bawag-Prozeß: Die E-Mail-Bombe
NEWS DECKT AUF. Ex-Bawag-Aufsichtsrat Günter Weninger informierte Ex-ÖGB-Boss Fritz Verzetnitsch über seine falsche Aussage.
Günter Weninger packt aus. Der einst kühl kalkulierende und machtbewusste ÖGB-Finanzchef und Bawag-Aufsichtsratsboss hat das erste Geständnis im Bawag-Prozess abgelegt. Weninger hat zugegeben, den damals verantwortlichen ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch schon im Oktober 1998 von den schweren Spekulationsverlusten der Bank bei Investmentbanker Wolfgang Flöttl informiert zu haben. Weninger hat damit auch zugegeben, im Vorverfahren gelogen zu haben. Da machte er seinem Alt-Spezi Verzetnitsch mit einer platten Lüge noch die Mauer: Er habe Verzetnitsch erst 2000 über die Milliardenverluste informiert.
Willkommen in Weningers Welt. Um Weningers überraschendes Geständnis zu verstehen, muss man tief in die (Schein-)Welt des
67-jährigen gelernten Elektroinstallateurs eintauchen. Einen guten Einblick gewähren dabei jene umfangreichen Unterlagen, die von den Ermittlern bei Hausdurchsuchungen in Weningers Wohnung am noblen Wiener Modenapark und in seinem Wiener Neustädter Haus sichergestellt wurden.
Weninger, der sich heute als überfordert darstellt, verrannte sich offenbar in die Idee, so etwas wie die letzte Bastion zur Rettung des ÖGB und von dessen Präsident Verzetnitsch zu sein. Stur rechtfertigt er immer wieder sein Vorgehen, die Gewerkschaftsgremien einst nicht über die Horrorverluste informiert zu haben: Die Kunden hätten die Bank gestürmt, die wäre illiquid geworden, die Gewerkschaft hätte die Bank verloren.
Offenbar stieß er bei gutgläubigen Gewerkschaftern mit dieser These auch auf offene Ohren. So staunten die Ermittler nicht schlecht, als sie bei Weninger auf Dankschreiben von Gewerkschaftern für dessen standhaftes Schweigen stießen: Die sprechen ihm ihren Respekt aus und meinen: Für uns bist du ein besonderes politisches Vorbild. Und Präsident Verzetnitsch natürlich auch.
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