Franz Antel ist im 95. Lebensjahr gestorben: Heimische Film-Legende "sanft entschlafen"
- Ältester aktiver Regisseur starb in Wiener Pflegeheim
- Durch Produktionen wie "Hallo Dienstmann" bekannt PLUS: Alle Reaktionen und Kondolenzbuch

Der Wiener Filmregisseur Franz Antel, eine der prägenden Gestalten des heimischen Nachkriegskinos und nicht unumstrittener Altmeister des Unterhaltungsfilms, ist in der Nacht auf den 12. August im 95. Lebensjahr im Pflegeheim "Haus an der Türkenschanze" in Wien-Währing gestorben. Der Regisseur sei "sanft entschlafen", hieß es.
Als "österreichische Legende", dessen Filme "gleichsam zum komisch tragischen Spiegelbild der österreichischen Seele" wurden, würdigte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) den Verstorbenen, "Ein Jahrhundert der österreichischen Filmgeschichte ist mit seinem Tod zu Ende gegangen", sagte Kulturministerin Claudia Schmied (S). Als "Promotor großer Schauspielerkarrieren" und "Handwerker, dem einige seiner Produktionen zur Kunst geworden sind", würdigte ihn ÖVP-Kultursprecher Franz Morak.
Rund 100 Film- und Fernsehproduktionen
Antel zeichnete für rund 100 Film- und Fernsehproduktionen verantwortlich. Der am 28. Juni 1913 in Wien geborene Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau arbeitete in den 30er Jahren als Produktionsleiter in Berlin, wurde zum Militärdienst eingezogen und organisierte Aufführungen mit der Frontbühne. 1945 gelang ihm nach russischer Gefangenschaft die Rückkehr nach Wien und ins Filmgeschäft. Unter schwierigsten Bedingungen realisierte Antel im Nachkriegs-Wien seinen ersten eigenen Spielfilm als Regisseur - das musikalische Lustspiel "Das singende Haus" wird derzeit im Filmarchiv Austria restauriert.
Über zwanzig Jahre lang blieb Franz Antel seinem bevorzugtem Genre, dem heiterem Lustspiel vor werbeträchtiger Heimatkulisse, treu und begründete dabei zahllose Schauspielerkarrieren. Vor allem in den 50er Jahren entstanden Filme, die die Kinos füllten: "Der alte Sünder", "Kaiserwalzer", "Rosen aus dem Süden", "Kaisermanöver", "Der Kongress tanzt", "Lumpazivagabundus", "Vier Mädls aus der Wachau" und viele andere. Mit "Hallo Dienstmann" schuf Antel 1951 einen österreichischen Klassiker mit Paul Hörbiger und Hans Moser, im Oberst Redl-Drama "Spionage" brachte er herausragende Schauspieler wie Oskar Werner auf die Leinwand.
Die teilweise opulenten Ausstattungsfilme der 50er Jahre seien historisch und kulturhistorisch interessant, analysierte Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger. Sie stellten die "letzte Phase des österreichischen Kommerzkinos" dar. "Antel hat nie einen höheren Anspruch behauptet, er hat immer gesagt, es geht ihm um Unterhaltungsfilme", so Kieninger. In den 60er und 70er Jahren drehte Antel vorwiegend Sex- und Klamauk-Filme, internationale Koproduktionen wie "Casanova & Co" und "Johann Strauß" floppten.
Den Erfolg seines Lebens landete Antel aber 1981 mit der Verfilmung des Theaterstücks von Ulrich Becher und Peter Preses "Der Bockerer". Mit Karl Merkatz in der Hauptrolle eines aufmüpfigen und weichherzigen Fleischhauers kam der Film weltweit zu Festival- und Preisehren. In der Folge führte Antel - begleitet von zunehmender Kritik - das Geschehen in drei weiteren Folgen von der Nazidiktatur über sowjetische Besatzungsschikanen ("Österreich ist frei", 1996) und Ungarnaufstand ("Die Brücke von Andau", 1999/2000) bis zu Prager Frühling und sowjetischen Einmarsch in Tschechien ("Prager Frühling", 2003) weiter. "Antel wollte es unbedingt machen, und es hätte mir leidgetan, Nein zu sagen", meinte heute Karl Merkatz dazu, "Antel war ein sehr ehrenhafter Mensch, und er stand noch mit 90 wie ein Junger immer voll hinter der Sache."
In Memoriam Franz Antel ändert der ORF sein Programm und sendet ab 14. August, eine Dokumentation sowie insgesamt neun Filme, darunter alle vier "Bockerer"-Streifen.
(apa/red)

